Kategorie-Archiv: Islands

Woanders #03

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Wer in Mousehole (sprich Mausel) übernachten will, sollte vorher buchen. Oder dort auf der Strasse einen ansprechen, der dann der Pastor ist und mobil alle seine Zimmervermietenden Schäfchen anruft, um einen unterzubringen. Das nützt leider auch nix, ist aber sehr charmant und sieht lustig aus. Überhaupt sollte man immer Einheimische auf der Strasse ansprechen. Damit ging mir die K. früher wahnsinnig auf die Nerven, aber ich habe mich inzwischen wegen der so gemachten Entdeckungen mehr als damit abgefunden. Die K. und ich reisen seit Menschengedenken zusammen, sie hat uns verwegene Tapasbars am damals noch abgerockten Hafen von Barcelona aufgetan, abenteuerliche Absteigen in Lyon, verborgene Restaurants in toskanischen Hügeln, mit Bistecca groß wie Klodeckel und butterzart, düstere Kaschemmen in Chicago, also: warum nicht den Pastor fragen.

Gelandet sind wir, kurz bevor die Stimmung kippte, in Newlyn, in einem netten kleinen Hotel, dessen Restaurant sehr gut sein soll, Armut und Geiz trieben uns aber in den Pub, wo wir einen riesigen Berg sehr frisches sehr frittiertes Meeresgetier verzehrten. What a shame. Gibt es also doch noch beim Engländer. Newlyn hat mir gut gefallen, das ist mal ein richtiger Ort mit einem schmutzigen Hafen und verfallenen Baracken und so, gar nicht Pilchermäßig. Auch schön. Nach soviel Postkartenidylle.

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Aber derentwegen sind wir ja hier, deshalb auf nach St. Ives, einer dieser so genannten Künstlerkolonien.

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Zugegeben: Der Ableger der Tate ist sehenswert. Und man hört dort das Meer rauschen. Und Turner kann ich eigentlich immer anschauen. Ansonsten ist St. Ives ein hübsches Städtchen, in das sich viele mittelalterliche Hausfrauen aller Nationen zum Aquarellieren zurückgezogen haben. Sollnse. Wir machen uns lieber aus dem Staub, um der Gartenkultur zu huldigen.

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Da wird es leider etwas unübersichtlich. Diese Gärten haben so kornische Namen und beginnen meist mit Tre… Ich habe im Laufe der Jahre ungefähr 30 besichtigt, bringe die aber ziemlich durcheinander. Nur meine liebsten drei, die hab ich auf dem Kasten. Den Rest müssen Sie dann also alleine rausfinden, da gibt es auch so tolle Faltblättchen vor Ort, wo alles drinsteht. Oder hier.

Auf dem Weg ins Grünbunte werfen wir noch einen Blick auf den St. Michaels Mount, den englischen Zwilling des gleichnamigen Franzosen. Um das Schloss rum gibt es auch einen Garten. Uns war es da zu voll, deswegen sind wir bei Ebbe nur bis an den Inselrand spaziert und wieder umgekehrt, fanden wir völlig ausreichend.

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Wir beginnen lieber richtig im Trebah Garden. Oft hört man diese Geschichte in Variationen: Nach dem Tod des letzten Erben wurde der Garten nach Jahren der Vernachlässigung wieder zum Leben erweckt, in diesem Fall vom Ehepaar Hibbert. Und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ich weiß nur zu genau, wie viel Geld und Arbeit es kostet, so einen Krempel in Schuss zu halten (von Schuss bin ich weit entfernt). Seufz. Meinen größten Respekt. Auch wegen der Öffentlichkeit. Nicht auszudenken.

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In Trevarno hat das leider nicht geklappt. Ich bin froh, dass ich noch da war und den dämlichen Pfauen beim Stolzieren durch die wundervollen Anlagen zuschauen konnte.

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Und erst die Narzissensammlung, ach schade. Zu ist. Aufgeteilt und das Herzstück verkauft an einen Ausländer. Auch das noch (mit £ 10 Millionen wären auch wir dabei gewesen, Herrenhaus und Umgebung hätte es schon für vier gegeben).

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Nicht recht vorangekommen auf der Insel heute (hilft aber ganz gut gegen die Dämonen). Jetzt nach Fowey.

Die anderen Etappen der Reise sind woanders.

Woanders #02

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Die Englandreise der L. ist wegen Komplikationen verschoben. Meine eigenen Reisepläne zerplatzen gerade wie Seifenblasenblasen, es scheint, als würde es statt Lissabon, Marseille und Island doch wieder auf meine Lieblingsinsel hinauslaufen. Dank der Recherchen der L. weiss ich nun, wie günstig und unproblematisch man von hier mit dem Zug nach London fahren kann. Keiner meiner Freunde wohnt mehr in London, das ist ein wenig merkwürdig, denn gefühlt haben die da alle mal gewohnt. Am Allerschönsten der P., in einem eigenen Reihenhaus in Brixton, drei Stockwerke, schlicht renoviert und sparsam mit ein paar Merkwürdigkeiten vom Trödel möbliert. Der Mann hat einen unfehlbaren Geschmack. Leider lebt er inzwischen in Berlin und die Zeit der rauschenden Grillfeste mit seinen jamaikanischen Nachbarn gehören der Vergangenheit an. Und die der ewigen gegrillten Makrelen vom Grossmarkt. Perfekt fürs Gartenfest. Überhauprt der Garten: Nur Lavendel und weisse Kletterrosen, das finde ich zauberhaft, würde es aber nie durchhalten, da es Tausend Blumensorten gibt, auf die ich nicht verzichten kann. Dort vor vielen Jahren das erste mal gehört: Ladybird. Kein Vogel.

Daher nicht nach London. Oder nur kurz. In Devon und in Somerset waren wir ja schon. Also direkt nach Cornwall. Am besten erstmal nach Boscastle, weil es da besonders schön ist. Und weil es ungefähr da einen grossartigen Abschnitt des Southwest Coast Path gibt, auf dem man theoretisch die ganze Halbinsel umrunden könnte.

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Das machen wir dann auch mal, so wie Lynley. Jetzt gehen wir aber erstmal nur von Boscastle nach Tintagel, auf dem Weg kommen wir durch das Rocky Valley, mit der rätselhaften Felsritzung aus der Bronzezeit (?) und einem Wasserfall (über all das weiss allerdings die Krabbe viel besser Bescheid, die hier in der Nähe mal einen ganzen Sommer verbracht hat).

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In Tintagel stand der Sage nach die Burg von König Artus. Von der sind noch ein paar Steine zu sehen, komplett ist dagegen die völlig exzentrische Plattenbauhotelburg Camelot Castle, die auf jeden Fall eine Tasse Tee (und ein paar Scones) wert ist. Alle anderen Stars waren auch schon da.

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Ansonsten kann man diesen ollen Ort ignorieren, wenn man in der Nähe übernachten möchte, kann ich das Port William Inn wärmstens empfehlen, es liegt spektakulär fast direkt am Meer in einem winzigen Nest namens Trebarwith Strand. Dazwischen stehen nur ein paar glattgewaschene Schieferformationen, auf denen man prima herumstaksen und sich fürchten kann, ins Wasser zu fallen. Das ist bewegt und kalt. Aber dafür gibt es ja Anzüge.

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Wenn man die Schnauze voll hat von Pubfood und Ledersesseln, fährt man am besten Richtung Watergate Bay und macht Rast bei Jamie Oliver im Fifteen. Nachdem man über den riesigen Strand spaziert ist und denn Mädels und Jungs beim Surfen zugeschaut hat zum Beispiel. Ich mag das Surfen. Konnte ich mal bisschen. In Noosa Heads gelernt, von einem schwarzhaarigen blauäugigen Iren.

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Ich hab dort nicht gegessen, wir waren da zu einer ungünstigen Zeit, kann also nur sagen, dass es hübsch aussieht. Und die Karte interessant ist. Im Scarlet war ich auch nicht, das ist der Plan der L., die zahlt ja sowas aus der Portokasse. Wir bleiben da heute auch über Nacht, Internet kost ja nix. Als nächstes geht es nach Mousehole. Und dann kommen die Gärten! Unglaubliche Gärten. Man erblasst.

Die anderen Etappen der Reise sind woanders.

Woanders

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So, statt der andauernden Larmoyanz gibt es jetze mal eine kleine Reise. Gestern war ich bei der L., um ihr ein paar Tips für ihren Südwestenglandtrip zu geben und wir reisten digital davon, zu blauem Himmel und tosendem Meer. Ich behaupte, dass ich mindestens die Hälfte meiner Englandreisezeit klares Wetter hatte, natürlich oft nicht den ganzen Tag, aber ordentlich zwischendurch, zur Aufmunterung. Und als ich so schwadronierte von Ginster, Kamelien, Scones and Clotted Cream, kleidsamen Gummistiefeln und stürmischen Ritten durch die Hochmoore, dachte ich mir, nach all dem Gejammer passt das hier ganz gut hin, hab ja eh gerade alles für sie recherchiert.

Erstmal nach Devon: Wann immer von Lynton und Lynmouth die Rede ist, muss ich an Loriots Was geschah in North Cothlestone Hall? denken. Tatsächlich ist es da außerhalb der Saisons ganz zauberhaft, wenn man viel Geld hat, kann man im Rising Sun wohnen, wenn man nur ein bisschen hat, geht man da Abends zum Essen (und wohnt in einem der vielen B&Bs), auch wenn man dort nicht mehr, wie wir bei unserem ersten Aufenthalt zu schalem Ale in leidenschaftliches Gespräch vertieft, in Windeseile eine ganze Schachtel Zigaretten rauchen kann, die soviel gekostet hat, als beinhalte sie kubanische Zigarren.

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Nach Lynton kommt man von Lynmouth mit einer klapprigen herausgeputzten Wasserballastbahn Zahnradbahn, an deren Ende sich ein empfehlenswertes Teehaus mit Meerblick (und selbstgebackenen Scones natürlich) befindet. Dort oben, in einem kleinen Antiquitätengeschäft hörte ich von dessen Besitzer zum ersten Mal von Lorna Doone, der Protagonistin einer Art Romeo und Julia Novelle aus dem 19. Jahrhundert. Jeder Engländer, dem wir erzählten, davon hätten wir nie gehört, schüttelte ungläubig den Kopf. Von hinter Lynton geht man einen verwunschenen Weg am Badgworthy Water entlang, dort im geheimnisvollen Exmoor spielt diese Geschichte voller Liebe und Rache, und wenn ich mich recht entsinne, steht da irgendwo sogar ihr Grabsstein.

Von dort nach Somerset: Hat man noch nicht genug Moor, sollte man zum Beispiel zu den Tarr Steps reisen, und dort wieder den Fluss entlang spazieren, an dessen Ufer auch manch eine ihr Leben liess.

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Einen Tee bekommt man in der Tarr Farm, zum Wohnen bietet sich bei mäßigem Reichtum eher die Streamcombe Farm an, wo man auch ein sehr gutes, vom Hausherrn zubereitetes Abendessen bekommt. Die L. hat mich etwas erstaunt darauf hingewiesen, dass ich, aus der absoluten Einöde kommend, mir meist Unterkünfte in der absoluten Einöde suche. Stimmt. Seit Go*gle Maps achte ich drauf, dass die nächste menschliche Ansiedlung möglichst weit entfernt ist.

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Jetz sind wir noch nicht mal in Cornwall. Und schon soviel Text.

Die anderen Etappen der Reise sind woanders.

Alterserscheinungen

Manchmal hat es ja was für sich, das Älterwerden. Zum Beispiel die Sache mit dem Whisky. Ich fand das schon lange eine grossartige Vorstellung, im moosgrünen Tweeddreiteiler in einem speckigen Clubsessel (der F. hatte so einen) am lodernden Kaminfeuer die vom langen Ausritt schmerzenden Glieder zu wärmen, die schmutzigen Reitstiefel auf dem passenden Hocker, im Aschenbecher das Zigarillo die qualmende Havanna und: ab und zu ein Schlückchen vom goldleuchtenden uralten Single Malt. (Im Hintergrund freundliche Klaviermusik, der Butler reicht das Silbertablett mit den Gurkensandwiches und fragt nach den Abendessenswünschen usw. usf.) Aber er schmeckte mir ja nicht.

Die Zigarilloraucherei hab ich schnell, wegen leidenschaftlicher Proteste meiner Nächsten wieder eingestellt. Der Tweeddreiteiler erwies sich als schwierig in der Beschaffung (bin noch dran), der F. samt Sessel ist fort, die Reitstiefel sind zwar dreckig, wenngleich schon lange unbenutzt und das Kaminfeuer, eine andere Geschichte. Aber der Whisky.

Vielleicht habe ich ja schon mal erwähnt, dass ich in diesem Früjahr in Schottland war. Mit der K.. Die sich ein bisschen auskennt und sogar ein schlaues Fachbuch dabei hatte, das sie erst eine Weile vor mir versteckt hat, bevor sie begann, mir abends daraus vorzulesen. Nie hätte ich gedacht, dass ich mit den merkwürdigen Ortsnamen, die ich vor einiger Zeit hier las, mal was verbinden würde. Wir waren dann auch gar nicht auf Islay, sondern (u.a.) in Oban,

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haben direkt oberhalb der Destillerie (der Schornstein) gewohnt und sie auf den letzten Drücker noch besichtigt (so ungefähr habe ich es verstanden mit dem Torf, der Maische und den gebrauchten Fässern, mein Schottisch ist allerdings so mittel). Und ich hab probiert.

Natürlich waren wir auch in Edinburgh, wo wir ganz wunderbar (ja, Haggis auch) speisten, es gab dort Whisky. Den hab ich probiert. Freundin S. hat mal eine Weile in E. studiert und uns zum abendlichen Absacker ihren Lieblingspub ans Herz gelegt. Zufällig gab es da Whisky. Und da hab ich dann noch mal probiert. Ne, besoffen war ich nicht, dass ist ja immer nur so ein Mäusepipi, aber hingerissen von der GESCHMACKSEXPLOSION. Den Oban, den ich der Greisin mitbrachte, haben wir jedenfalls entgegegn K.s Prognosen in einem Vierteljahr niedergemacht.

Warum ich das alles aufschreibe: Statt des Heissgetränks genoss ich am Samstag Abend in charmanter Gesellschaft einen Lagavulin in der einzigen Bar am Platz. Und das, obwohl ich mich doch in der Singlemalteinöde wähnte. Der Barkeeper erzählte allerdings, dass er zum Jahresende schliesst. Er geht in die Werbung. Ich muss doch nach B., Stoff besorgen.

Ach übrigens, Sie können mich Camilla Montez nennen.