Kategorie-Archiv: Früher war alles besser

Freitagstexter

So. Wir machen das nun kurz und schmerzlos: Mein Bild hat offenbar nicht gefallen. Nichts destotrotz und umso schöner, dass DEN sehr gelungenen Beitrag von Frau Pfefferoni gibt:

Während Engels noch über die Einleitung seines neuen Buches sinnierte, amüsierte sich Karl, die Möwe, über diese geisterhaft wandelnde Gestalt… Störtebeker nannten sie ihn.

Freitagstexter

Danke sehr! Hiermit überreiche ich feierlichste den Pokal und bin froh, dass es vorbei ist. Viel Erfolg!

FREITAGSTEXTER am Donnerstag

Morgen schaffe ich das nicht. Also schon heute: Werd‘ ich nun guillotiniert?
Das war beim anderen Mal auch schon so.

Damen und Herren,

die meissten von Ihnen sind ohnehin hier wegen des:

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Und daher wissen Sie auch, wie das funktioniert! Herr Schneck, der Gute, hat mir zuletzt diese grossartige Trophäe verliehen, mit der klitzekleinen Auflage, Ihnen am folgenden Freitag, also morgen, ein neues Bild zum Fraße vorzuwerfen, welches Sie bis zum nächsten Dienstag, also dem 6.9.16 mit Ihren gewitzten Kommentaren veredeln können. Jetze haben Sie sogar einen Tag mehr Zeit, yay!

Auch wenn hier ansonsten ausser Gemüse und Haustierchen nichts mehr geboten ist, bitte lassen Sie mich nicht im Stich. Texten Sie! Werden Sie teil einer uralten Tradition, mit der Aussicht auf Rum und Ehre. Und einen güldenen Pokal!

Hier also mein Bild (mancher wird sich erinnern?!):

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Viel Glück!

Langsam wird es weniger

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Der alte Bauer vom Nachbarhof ist gestorben. Seine Frau dachte, er sei unten eingeschlafen, als sie des Nachts erwachte und er nicht neben ihr im Bett lag. Da war er schon kalt, sass im Sessel, der Kopf nach vorne gekippt, die Zeitung lag in seinem Schoss. Was man einen schönen Tod nennt.

Niemals hätte ich gedacht, dass mich das so trifft. Seit einem nachbarlichen dummen Streit mit seinem Sohn, der sich trotz meines stetigen Nachgebens (?) nicht gänzlich beilegen liess, war es nicht mehr ganz wie vorher. Vorher war so, dass ich trotz seiner vielen Kinder sein Müschterle war, als ich klein war. Dass wir immer gleich ein Thema fanden, wenn wir uns sahen. Dass er mich akademische Fragen fragte, die ich nicht beantworten konnte. Oder woher ich meine Eichenfässer hätte, er plane Whisky zu brauen. Vorher war unbeschwert.

Dass er jeden Morgen auf dem alten John Deere zum Fischweiher fuhr, immer genau zu der Zeit, wenn ich mit dem Trotzki da meine Runde drehte. Nachher war, dass ich mich versteckte, wenn es ging, weil ich nicht sicher war, wie wir nun zueinander standen. Ich glaube, ER hatte es längst vergessen. Er wurde zornig damals, wie ein wilder Stier. Und dann war es wieder weg. Nur, ich hatte mich erschreckt. Und hatte fortan ein bisschen Schiss. Wenn wir uns trafen war es eigentlich wie immer. Trotzdem.

Er ist genau einen Monat jünger als die Greisin. Es fühlt sich an, als wäre ein uralter Baum gestürzt, von dem man dachte, er würde allem trotzen. Oder ein Felsen, der nachdem er tausend Jahre an der selben Stelle stand, auf einmal runterfällt. Man kommt da am nächsten Tag vorbei und reibt sich die Augen. Kann es nicht fassen. Wie sowas sein kann.

Bei der Beerdigung war ich die einzige, die geheult hat. Man ist ja gefasst hier. Badisch Preussen. Jeden Morgen lausche ich nach dem vertrauten Sound von John Deere. Bestimmt noch eine Weile.

Helmet

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© J. Hümme, Ostholsteinmuseum, Eutin

Vor ein paar Tagen war ich hier in der Kleinstadt zur Eröffnung einer Armin Müller-Stahl Malereiausstellung eingeladen. Bin nicht hin. Mag noch immer nirgends hingehen, also fast nirgends (überhaupt, kann der malen?). Dennoch hat mich die Einladung ein bisschen vergnügt gemacht: Vor einer ganzen Reihe von Jahren habe ich einmal die Gestaltung einer grosskopfeten Konferenz gemacht. Kofi war da, Angela und Heidemarie und lauter andere wichtige Leute aus dem Fernseher.

Das war sehr aufregend und ich war sehr jung (im Vergleich zu gerade). Die Sause fand im Interkonti in Berlin statt, und nachdem ich da den ganzen Tag herumgehastet war, um alles noch einmal zu kontrollieren war ich mit dem L. verabredet. Das war bevor er überall auf der Strasse erkannt wurde. Seitdem ist das ziemlich anstrengend. Kommt auch sowieso nicht mehr oft vor, also das Verabreden.

Komm sagt der L. wir gehn ins Brel (hö). Jau sag ich Moules frites, immer. Der holt mich dann am Hotel I. ab und wir gehen ins Brel. Es gibt nur einen einzigen kleinen Tisch direkt neben der Tür. Macht nix. Sach mal sag ich zum L. Ist das nicht Armin Müller-Stahl da hinten mit seiner Frau? Er dreht sich, weil er mit dem Rücken zum Lokal sitzt. Ja isser, glaubt er auch. Wir trinken und essen und trinken und ich lächle Armin zu und Armin lächelt mir zu und wir trinken und der L. macht Spässchen und ich entspanne mich endlich und lächle zu Armin und lache über den L., der ja sehr komisch ist und wir trinken. Und der Armin lächelt mir zu. Irgendwann stehn der Armin und seine Frau auf und gehen an unserm Tisch vorbei raus ausm Lokal und der Armin sagt Auf Wiedersehen, schöne Frau, ich wünsche Ihnen noch einen wunderbaren Abend zu mir. Und der L. fällt fast vom Stuhl und ich lächle den Armin nochmal an. Und dann isser weg. Und der L. fasst sich wieder und wir trinken noch einen und dann hat der Abend noch ein etwas unrühmliches Ende gefunden, aber darüber soll hier geschwiegen werden.

Und das fiel mir ein, als diese Karte kam. Und ich hab mich noch einmal gefreut.

Und der F. hat heute Geburtstag.

Kram

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Jetz mal was ganz anderes. 25 Jahre Wende. War mir mal ein großes Thema, die vielen Jahre in Ostberlin hab ich im Lischke verwurstet (in der Blogroll, Vorsicht, ist mit Schmutz). Andere Zeiten. Ein Artikel, der mir dazu gut gefallen hat, steht da. Und die Bilder dazu hier (Wow!). Wird mir schon ein bisschen schwer ums Herz, war lange ein Zuhause. Verschwunden. Dunkle Strassen ohne Reklame. Alte Leute als Nachbarn. Kohleofen. Clubs, in denen Putz von der Decke fällt. Bars, in die man durch Kellerfenster eingestiegen ist. Leidenschaftlich kontroverse Diskussionen zur Wiedervereinigung. Freiräume. Initiativen. Brachen. Milieuschutz. Kennt noch einer das Wort?

***

Und noch was ganz andereres. Vorvorvorgestern war Internationaler Tag des Hundes. Dazu kann ich Ihnen unmöglich David Kemp vorenthalten. Kunst aus Müll, gesammelt an den Küsten von Cornwall. Nachdem nach Hunderten (er schreibt Tausende?) von Jahren die Minen dort stillgelegt wurden, hat er aus den noch knapp vor deren Vernichtung erbeuteten Stiefeln der Minenarbeiter die Tinner Hounds gemacht. Brauch ich gerade. Voll süss. Oder Dings jedenfalls.

Wo nicht reicht des Bauern Kraft …

… Pferd, Ochs oder Dampf es schafft!

Was macht das Landei, wenn es Kultur will? Genau. Es geht ins Traktormuseum. Wie toll das da ist hab ich mir nicht vorgestellt, es gibt nicht nur bildschöne alte Traktoren, sondern auch Environments. Werkzeug. Kram. Fast so toll wie alte Maschinen. Aber sehen Sie selbst.

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Mein alter Freund. Ich werde noch immer wehmütig, wenn er mir irgendwo begegnet. Ich hoffe, er ist wohlauf.

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Würde ich alles nehmen.

Das Patentkind wächst grad rasant aus der Traktorbegeisterung raus. Das sei doch was für Kinder. Aber ein klitzekleines bisschen hat es ihm doch gefallen. Und mir sehr. Also, wenn Sie mal in der Gegend sind.

Ich habe heute ohne Pferd (zu alt), Ochs (davongelaufen) und Dampf (verkauft) zwei Tonnen Kartoffeln geerntet. Und jetzt muss ich bis morgen ruhen.