Kategorie-Archiv: Lost Boyz

Lost Boyz

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Einer von diesen Mitbewohnerinnenfilmhochschulkommilitonen. Aus Neuseeland. Ist ja ein Dorf da. Ich werde nie vergessen, wie er fast täglich in B. in unserer Küche sass und alles bekritzelte, was da rumlag. Zigarettenschachteln, Briefumschläge, Kassenzettel, den Tisch. Er war der lustigste und schönste von der riesigen Neuseelandposse. Daheim ein Soapstar, angeblich. Wenn er da rumsass, rauchte, witzelte und kritzelte, verschlug es mir immer völlig die Sprache. Ich sass auch da, rauchte, starrte und himmelte stumm diesen wundervollen, lustigen, freundlichen Mann an.

Einmal war die Neuseeländische Freundin nicht da, als er auftauchte. Ich kochte einen Tee. Wir tranken Tee, er fletzte lässig im Sessel und ich murmelte Sachen in meinen Bart. Vermutlich hat mein Kopf rot und laut im dämmrigen Zimmer geleuchtet. Ich kann mich eigentlich nicht erinnern, dass ich jemals in der Lage war, mit ihm ein normales Gespräch zu führen. Nachts träumte ich von ihm. In meinen Träumen war ich schlagfertig und hinreissend.

So absolut voll bescheuert kann er mich nicht gefunden haben, denn bevor er heimkehrte auf die andere Seite der Weltkugel, schenkte er mir ein Bild, dass er für mich gemalt hatte. Mit Widmung. Vor kurzem bin ich ihm im Internet begegnet. Er hat das Drehbuch für den neuen Disney-Film geschrieben. Dann hab ich gegugelt und bei der Krake ist er auch.

Zuletzt hat er also What we do in te shadows gedreht, in Deutschland unter dem bescheuerten Namen Fünf Zimmer Küche Sarg erschienen und vermutlich nur ziemlich kurz im Kino. Hier in der Provinz jedenfalls gar nicht.

Da isser (ja, das geht uns nix an, lustig ist es trotzdem):


(keine Ahnung warum das Play da nicht weggeht). Hübscher, mit Vollbild und so ist es hier. Und das Sicherheitsvideo für Air New Zealand hat er auch gemacht.

Ruhm, Ehre, Reichtum. Wie ich ihm das gönne! Von ganzem Herzen.
Made my Sunday.

Lost Boyz

Er hiess Frau Müller. Also, vielleicht nannten ihn eigentlich nur der Kommunist und ich so, hatte sicher mit einem unserer kompliziert gedachten Sprachspiele zu tun, die ausser uns keiner verstand oder lustig fand. Der Vater von Frau Müller war nach der Wende ein hohes Tier bei den Evangelen geworden. So ähnlich wie Papst. Er ging selten heim, war ihm nix da.

Ein alter Freund des Kommunisten, aus dem Dunstkreis, den ich so gut leiden konnte, die gerade rausgewachsenen DDR-Kinder mit den bunten und rasierten Haaren, Kirche von unten oder Junge Gemeinde, und den ernsthaften Gedanken, die alle schon so viel erlebt hatten. Keine FDJ, kein Abitur, kein Studium, alles hatte seinen Preis, und den waren diese Teenager nicht bereit zu zahlen. Mit der Wende zumeist der NVA gerade noch von der Schippe gehüpft, oder schon die verkrachte DDR-Existenz ais Bausoldat eingeleitet.

Frau Müller war weniger ensthaft. Hatte einen entzückenden kleinen Sprachfehler und große braune Kulleraugen. Ein bisschen wie ein junger Bernhardiner oder so. Machte was mit Film. Im Sommer waren wir paddeln. Um Berlin rum, manchmal bis durch die Müritz, mit blauen Faltbooten aus elterlichen Ostkellern und in wechselnden Besetzungen, meist Paare, die sich unermüdlich über die richtige Technik belehrten. Einmal war Frau Müller dabei, alleinstehend. Und wurde von den mitreisenden Damen trotz anwesender Kerls so unverholen angebaggert, dass ich mich schämte. Und großen Abstand hielt. So kam es, dass Frau Müller und ich nächtens in schweigender Einigkeit spät allein am Feuer sassen, beide aus verschiedenen Gründen froh, dass die anderen in ihren Zelten schnarchten.

Nach der Tour verbrachte ich manche Nacht bis zu Morgengrauem da, wo Frau Müller den Tresen machte. Am Tage rief er an. Ich war freundlich. Er besuchte mich. Ich war freundlich. Dann ging er in die Schweiz und schrieb Briefe. Ich schrieb freundlich zurück. Irgendwann hörte ich nichts mehr.

Ich hab Frau Müller jetz mal gegugelt. Macht was mit Film. So Sachen zusammenbauen. Er sieht immer noch hübsch aus. Und fiel mir ein, weil der Kommunist mir wortspielerisch schreibt grad. Und ich zurück.

Lost boyz

Du bist also die, die ihre Beine zwischen die Beine meines Mannes schieben will zischt die fremde Frau. Woher weiss sie. La glotzt. Tango. Ihr wollt doch Tango lernen keift sie Ach Tango, ja. La fühlt sich dennoch ertappt, denn sie stellt sich schon länger vor vor, wie allerhand Beine sich verschlingen, nicht nur beim Tango. Als er das erste Mal anruft, nicht mal für sie, was für eine Stimme, geht sie direkt in die Knie. Wie Wanda, die die Sessellehne ableckt, als John Cleese ihr mit seinen Fremdsprachenkenntnissen imponiert. Naja fast.

Wenn sie das ohnehin vermutet, behaupet La und bald schlingen sich Beine umeinander, eine Art Tango, geht wie von selbst, ganz ohne Kurs. Dann verlässt er die Gudrun und La kann sich solange nicht entscheiden, bis er die ersehnte Verbindlichkeit bei einer Krankenschwester findet. Diesen letzten Abend wird sie nie vergessen, wie er da sitzt, hastig sein Bier trinkt und sagt, sie könnten sich nicht mehr treffen, er habe eine kennen gelernt, sie ziehe bald zu ihm. La verschluckt sich an Getränk und Zigarette und vorallem daran, was sie für heute Abend vorbereitet hatte. Ihm was zu sagen. Über Liebe.

Letzte Woche hat er die Krankenschwester verlassen. Hört man so. Bestimmt sind sein Haare sehr schön schwarz-weiss meliert inzwischen.