Archiv für den Monat: Oktober 2012

Vormagen

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Vor vielen Jahren war ich mal dabei, wie die Schwester des F. in der Metzgerei in Ambra Pansen kaufte für eine Trippa fiorentina und für die Hunde. Also, sie hat es damals übersetzt als Pansen*. In echt waren es sehr sauber geputzte Kutteln.

Ich finde immer, der arme Pepone sollte öfter mal was Frisches kriegen, und so hab ich die Franziska von der Dorfmetzgerei neulich munter gefragt, ob sie auch manchmal Pansen habe. Wieviel? Na, vielleicht so zwei Kilo. Sie rufe dann an. Dann ruft sie an, der Pansen liege zur Abholung bereit. Ich also hin. Ein Sack voll. Acht Kilo grüner Pansen. Weil den Rest kann sie ja nicht mehr verkaufen. Und einfrieren darf sie ihn per Gesetz nicht. Seien Sie froh, dass es kein Geruchsinternet gibt.

Erstmal habe ich den Sack ein paar Tage im Kofferraum herumgefahren. Dann musste ich ja verreisen und hab ihn deshalb in die Garage gesperrt. Dort liess ich ihn noch eine Weile liegen. Zwischendurch hat der Besuch todesmutig ein paar Stücke für den P. abgeschnitten. Ich hab weiter so getan, als habe ich mit der Sache nichts zu tun.

Am Freitag kam die Greisin von der Inspektion zurück, die ganz ok verlaufen ist. Sie hat ein bisschen geruht und dann die acht Kilo zerteilt, als wäre sie der Axtmörder persönlich. Und eingefroren. Die Mutter bekommt den Pansenorden am Bande. Und ich komme in die vegane Hölle.

Es schneit. Meine neue Freizeitbeschäftigung: Bäume abschütteln. Bin jetzt eine Mischung aus Aschenputtel und Frau Holle.

Aber das hier ist immer noch sehr viel besser als Sandy.

* Der Pansen ist bei ausgewachsenen Kühen der größte der drei Vormägen. Er nimmt die gesamte linke Hälfte der Bauchhöhle ein, im hinteren Bereich beansprucht er teilweise sogar einen Teil der rechten Bauchhälfte. […] Seine Eingeweidefläche (Facies visceralis) grenzt vorn an Blätter- und Labmagen, weiter hinten an das Darmkonvolut. Der Pansen hat beim erwachsenen Hausrind ein Fassungsvermögen von bis zu 100 Litern. Wikipedia

Landlust

Das Wetter macht mich fertig. Eine sehr grosse Buche in unserem Wald ist gestern abgebrochen weil sie mit ihren Blättern die schwere Last nicht mehr tragen konnten.

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Und eine eher kleine Birke hat es gestern nacht erwischt, die wiederum auf den den Pferdezaun fiel.

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Frau Montez ergriff die Glegenheit und hinterliess eine Spur der Verwüstung.

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Einer der letzten frostsicheren Blumenkästen

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Den Lauch hat sie endgültig platt gemacht

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den Grossteil der geretteten Äpfel

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den (frostsicheren) Endiviensalat. Das war mal mein Garten.

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Ich hab jetzt genug von Winter Wonderland.

Aus aktuellem Anlass

Statt Neues aus der Serie Wegen fehlschwingungsbedingter Aurastörung verreckende Elektrogeräte in meiner nahen Umgebung noch mal was zum Thema Geduld. In meinem vorvorletzten Leben habe ich mal eine Ausbildung als Gemälderestauratorin gemacht. Bis zur bestandenen Aufnahmeprüfung für das Studium der Restaurierung von Tafelbild und polychromer Holzskulptur. Dann konnte ich nicht mehr, hab mich zweimal zurückstellen lassen und was anderes studiert.

Manchmal musste ich mehrmals das Schloss Charlottenburg (meine letzte Wirkungsstätte) umrunden, um mich wieder ein bisschen zu beruhigen, wenn ich stundenlang am Stereomikroskop verharrt hatte, um Leinwandfäden einzeln zu verschweissen, die ein russischer Soldat schwungvoll mit einem Bajonett durchsäbelt hatte, um seinen Ärger über den Imperialismus im Allgemeinen und den General Blücher (das Bild oben rechts) im Besonderen Luft zu machen. Bekomme sofort Gänsehaut, wenn ich dran denke.

Im positiven Sinne aufregend waren dagegen die Ausflüge ins Heute und Gestern der Bildenden Kunst. Da gab es endlich mal bisschen was zu denken oder zu erwägen, beispielsweise welche Radiergummisorte am besten geeignet sei, um eine schmuddelige Gipsskulptur von George Segal zu reinigen (diese dann wochenlang abzuradieren hat mir weniger behagt). Ob das bei der Beuysschen Sauerkrautpartitur verwendete Sauerkraut erhalten werden muss, oder durch neues (und wenn ja, muss das die selbe Marke sein?) ersetzt werden kann? Hingerissen war ich überhaupt von der Eat Art: Da war alles vereint, für das ich mich begeistern kann: Kunst, Essen und Tiere. Letztere waren allerdings nicht erwünscht und mussten davon abgehalten werden, z.B. das Prager Brot von Vostell zu mampfen. Oder Rothsches Katzenfutter bei den Mundaugen

Überhaupt das Archiv Sohm: Mein Paradies. Die Erledigungen in den Museumskatakomben habe ich immer ausgedehnt, um mich dort noch ein bisschen rumzudrücken. Eine grossartige Entdeckung für einen 20-jährigen KunstLK-Grünschnabel vom Land, dass nach (oder während) Picasso noch andere Kunst stattgefunden hat. Mit Sprache. Mit Unsinn.

Für ein erfülltes Restauratorenleben hat es dennoch nicht gereicht. Bisschen Geduld habe ich gelernt. Und dann wieder verlernt.

Die andere Seite

In regelmässigen Abständen hat der F. zu mir gesagt Warum liest Du nur diesen Quatsch und meinte damit die Internettagebücher, die ich schon seit langen Jahren mehr oder weniger regelmässig besuche. Das hat doch alles keinerlei politische oder gesellschaftliche Relevanz. Nö. Ich hab ihn dann ein bisschen aufgezogen, ob er alle Erbaulichkeiten nach Kriterien politischer oder gesellschaftlicher Relevanz auswähle, sich so beispielsweise seine Begeisterung für Cy Twombly erklären liesse. Wie man denn dieses Befindlichkeitsgelaber mit richtiger Kunst vergleichen könne, hat er mich und sich gefragt. Einig sind wir uns auch hier nicht geworden.

Seien Sie gewiss: Es gibt hier nur Befindlichkeitsgelaber, garniert mit ein paar Lesezeichen und bunten Bildern. Bestenfalls Reisebeschreibungen von wenig spektakulären Orten. Nichts von politischer oder gesellschaftlicher Relevanz, leider. Und Kunst ist es auch nicht. Ganz wohl ist mir dabei nicht.

Gestern bin ich nach Konstanz gereist weil ich dort eine Vorbesprechung für ein sehr schönes Projekt hatte. Jedenfalls war die Herstellung der letzte Ausgabe eine Freude. Der Besuch hat lange warten müssen (es war bisschen knifflig), dann haben wir prima gespeist und sind noch ein bisschen durch das Städtle geschlendert. Irgendwann wurde sogar der Himmel ein wenig blau. Den Aperitif gabs dann wieder auf der richtigen Seeseite.

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v.o.n.u. Imperia, Wasser und Brot, Unipingpong, gelbe Dalben, Ausblick und Aperitif mit Miniuntergang.

Ich glaube, das wird ein schöner Job.
Ein schöner Tag war es schon mal.

Und ausserdem lese ich

in meiner Post

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die Optimierung ist notwendig, wenn auf Sie mindestens einer dieser Sätze zutrifft:

• Sie haben wenige Besuche auf Ihrer Webseite,
• man kann Ihre Webseite in den Suchergebnissen nicht finden oder sie befindet sich an der 2. oder weiteren Unterseite der Suchmaschine,
• Ihr Service präsentiert sich unangemessen in der Suchmaschine,
• die Kunden können keine nötigen Informationen finden und verlassen schnell Ihre Webseite,
• Kunden kaufen bei der Konkurrenz und nicht bei Ihnen,
• Sie möchten sicher sein, dass Ihr Service geschützt wird,
• Sie möchten der Konkurrenz die Stirn bieten und ihr einen Schritt voraus sein.


Ach herrje. Stimmt alles.
Ich denke, wir kommen ins Geschäft.

Right now

Ach, sowas wollte ich ja schon lange auch mal. Via die Kaltmamsell.

Ich lese … fast gar nicht mehr, wenn überhaupt, Krimis und behaupte das liegt an meinem ADS. Je weniger Handlung, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, ich habe am Ende des Satzes vergessen, was am Anfang war. Glücklicherweise habe ich in meinem alten Leben so viele Bücher gefressen, das das noch eine Weile reicht. Kann immer noch sagen: Oh ja von der/dem hab ich auch mal was gelesen (1996).

Ich trage … eine sehr alte, sehr dreckige Cargohose in Schlammgrün und einen (sehr alten, sehr dreckigen) schwarzen Herrenwollpullover, den ich in den Galeries Lafayette kurz nach deren Eröffnung gekauft habe, drunter auch alles schwarz (aber sauber!).

Ich habe … heute noch schnell neues Heu bestellt, nachdem ich mich mal wieder total verschätzt hatte, wie lange es noch reichen würde. Die Bäuerin bringt es, und wir zwei Ladies werden es vermutlich wieder nicht schaffen, den Rundballen aufzustellen. So ist das Leben ohne Mann.

Ich höre … die Schlafgeräusche des Hundes, der auf meinen Füssen liegt.

Ich trinke … sehr ungern. Ausser Alkohol.

Ich esse … jetzt erst mal nix, denn ich habe gerade gefrühstückt. Generell behaupte ich immer, ich esse alles, um dann mengenweise aufzuzählen, was ich nicht mag. Z.B. Pfeffer. Nicht wegen scharf (ich liebe scharf), sondern wegen des muffigen, alles überdeckenden Geschmacks. Ziegenkäse. Lamm. Leber.

Ich stehe … sehr ungern, denn mir tun schnell die Füße weh. Beim Gehen weniger.

Ich gehe … ziemlich viel zu Fuss, auch in Berlin, wo ich früher wie eine Wahnsinnige Fahrrad gefahren bin (den Kurier erwisch‘ ich auch noch!). Das geht mir aber zu schnell inzwischen, ich schätze das Fussgetempo. Sieht man auch mehr.

Ich lache … sehr selten laut. Obwohl die Greisin gestern gemeckert hat, ich hätte den Ernst des Lebens noch immer nicht erfasst und wäre genauso albern wie mein Hund. Ich glaube nicht an den Ernst des Lebens. Aber mehr laut lachen wäre vielleicht gut.

Ich sehe … Nebel. Schemenhafte Bäume. Aus dem Fenster.

Ich mag … mein Leben. Hoffentlich hält es noch ein bisschen. Der Internist sagt, die Herzklappe der Greisin klappert bedenklich leise inzwischen. Dem wird nun mal nachgegangen.

Ich schreibe … wieder viel, nach dem ich acht Jahre nicht mehr als den Einkaufszettel notiert habe. Vielleicht geht das mit dem Lesen auch so? (Sind schliesslich alles Naturgesetze)

Ich weiß … nicht besonders viel, aber mit Blumen und Schmetterlingen kenne ich mich wirklich gut aus. Und für Notfälle habe ich eine Bestimmungs-APP mit über 1000 Pflanzen. Kann also gar nichts passieren.

Ich möchte will … gerne geduldiger sein. Mit anderen. Mit mir. Und beharrlicher. Und weniger faul. Und einen Landrover Defender. Und einen Gärtner.

Gestern haben wir die Marianne abgeholt

Bei Kaffee und Kuchen gab es interessante Geschichten (bald) und ich wurde von den anwesenden Fachleuten über die zauberhaften Intérieurs von Hammershøi aufgeklärt, die K. hatte gerade so eins restauriert, bevor es in die Ausstellung kam. Ach, auch wieder mal verpasst. Ich sollte doch öfter nach München fahren. Die doofe Sause mit Verkleidung ist ja nun vorbei.

Das umgebende Intérieur war auch nicht von schlechten Eltern, nur der See vor der Tür hatte beschlossen, den ganzen Tag unsichtbar zu bleiben, wir also fluxi wieder rauf auf den Berg, um uns dort bei völlig übertriebener Hitze durchs Gelände zu schleppen.

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Und die Quitten haben wir geerntet, die bekommt die L. und ich sie dann anteilig fertig als Gelee zurück. Wenn das mal kein gutes Geschäft ist. Sind weniger als letztes Jahr, aber sie duften betörend (nicht im Bild).

Grad hat Beckchen angerufen, hat fertig gedreht in Konstanz und verlangt nach Heissgetränken. Jetzt reist sie mit dem Dampfer an. Irgendwann sollte ich auch mal wieder was arbeiten.

Ausser Wetter

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Das alte Zuhause. Die ewige Klage. So geht es dann weiter. Oder es endet?

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Und von denen bekomme ich immer Post, keine Ahnung warum, gefällt mir sehr gut. Kann man rumklicken und hübsch finden.

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Und ins Kino werde ich dann wohl mal gehen, falls das Wetter jemals wieder schlechter wird. Hab ich eigentlich meine Schottlandbegeisterung mal erwähnt?

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Gleich ist der Nebel weg. Es wird schon hellblau. Dann wieder Wetter.