d13: Die politische Intention der Erdbeere

Keine grosse Aufgewühltheit, keine Sensationen, keine Bestürzung, vielleicht ein bisschen zuwenig davon, fand die Krabbe, ich jedenfalls war froh, dass wir dieses Mal ohne viel Blut und Scheisse ausgekommen sind. Aber ich les natürlich auch nix. Vorher gar nix, hinterher ein wenig, und dieses Mal hatte ich nun das Gefühl, es rächt sich mal, weil trotzdem Kassel ja nicht gerade eine Metropole ist, die Wege ganz schön lang sind. Soll heissen, etwas Vorbereitung hätte sicher nicht geschadet.

So spazierten wir also fast planlos durch die Karlsaue und liessen uns überraschen: Jimmie Durham erklärte die Geschichte Europas in zwei kleinen Exponaten in einem ansonsten leeren Gewächshaus. Ein prähistorisches Steinwerkzeug und eine nicht abgeschossene Patrone aus dem zweiten Weltkrig. Dazwischen lagen Völkerwanderungen, Seuchen und Klimakatstrophen, die in einem kurzen Text erwähnt werden. Krabbes Favorit.

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Und meiner? Ach, ich durchstreifte mit verhaltenem Wohlgefallen ein ehemaliges Gärtnerhaus, gefüllt mit zwei Tonnen Tonwürsten (Anna Maria Maiolino: HERE AND THERE), erfreute mich an Springkraut, Bienen und Hunden bei Pierre Huyghe, beglotze den Tsunamitrümmerimbiss von Shinro Ohtake (der durch Klänge sogar ein kleines Unbehagen zu verursachen vermochte) und konnte auch den Doing Nothing Garden (entstanden auf einer Müllhalde) von Song Dong gut leiden, obwohl der Nieselregen in diesem Moment nicht gerade dazu einlud. Auch die Time Bank (Julieta Aranda & Anton Vidokle) war voll ok.

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Und dann war da ja noch Bartolinis Welle. Und dann taten ihnen die Füsse weh. Und dann assen sie ein Käsebrot bei AND AND AND.

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Die Sachen drinnen verschwimmen. Nach vier Stunden ist meine Aufmerksamkeitskapazität verbraucht. Aber schön anzusehen war die Arbeit von Yan Lei (wie sich rausstellte ein Hong Konger Bekannter meiner Begleitung), der 365 Bilder aus dem Internet auf Leinwand reproduziert hatte, die nach und nach von einer Kassler Autolackiererei übermalt werden. Und so verschwinden, wie die Bilder im Netz (natürlich nicht wie die, von denen man will, dass sie verschwinden).

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Der Wandteppich von Goshka Macuga im Fridericianum (nach einem Foto von einer Festgesellschaft vor dem Darulaman-Palast in Kabul) war toll.

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Kulturbahnhof mit Jalousien und Schrott wurde abschliesend rasch durcheilt. Ächz.

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Und damit was gemeckert ist, finde ich im Nachhinein, dass es kein Wunder ist, dass mir das fast alles prima gefallen hat, weil es ein bisschen so war wie ich: albern, öko, brav und harmlos. Und nur ein bisschen verkopft.

Aber vermutlich ist in echt ja alles ganz anders und wir haben nix verstanden, weil wir uns vorher nix durchgelesen haben. (z.B. die 100 Notizhefte, die zur d13 erschienen sind).

Und entschuldigen Sie die Bilder. Hab da grad keine Ambitionen. Trotzdem gibt es demnächst woanders noch mehr. Aber jetz muss ich arbeiten …

2 Gedanken zu „d13: Die politische Intention der Erdbeere

  1. kid37

    Danke für den Einblick. Ich fürchte, ich schaffe es nicht (mehr). Ein Besuch war eigentlich heute geplant, aber ich bin im Moment mehr so die Schrotthalde, ‚tschuldigung, das Kunstwerk auf dem letzten Bild. Ich habe von Freunden und Kollegen nur Positives gehört, tolle Stimmung, schöne Atmosphäre, ich denke, zwei, drei Tage dort hätten nicht geschadet.

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