Neapel sehen

wollte ich schon lange, aber irgendetwas kam immer dazwischen. Diesmal (fast) nicht(s). Nach lebhafter Überfahrt marschierte ich von Beverello gleich zielstrebig Richtung Vesuv.

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Im Reiseführer hatte ich die vielversprechende Beschreibung der Capella Sansevero gelesen: „… in der Krypta das Zeugnis eines makaberen Experiments: das versteinerte Arteriengeflecht zweier Toter, denen der wahnsinnige Raimondo bei lebendigem Leib eine verhärtende Flüssigkeiten in die Adern gespritzt haben soll.“ Das hört sich doch sehenswert an. Hätte ich einmal ordentlich gelesen, hätte ich gelesen: geöffnet Montag und Mittwoch bis Sonntag. Also nicht Dienstag.

So gab es dann stattdessen Cappuccino und Neuorientierung. Glücklicherweise haben die Neapolitaner ja noch mehr verwegenes Zeug, so auch das Blutwunder. Also auf zum Duomo San Gennaro.

Reliquien und Märtyrer, das ist was für mich. Besonders gut finde ich all den pompösen Zierrat um das bisschen Knochen und sonstwas. Drinnen gab es hinter Gitterstäben zwar jede Menge heilige Einzelteile, so richtig gut sehen konnte ich sie aber nicht. Keine Ahnung, ob die berühmten Ampullen dabei waren.

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Der Dom ist schön. Aber ich sollte wohl für eine Weile keine Kirchen mehr anschauen. Ich scheine etwas übersättigt.

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aus dem Dommuseumsfenster

Auf dem Weg dahin, bin ich vorher noch hier reingeraten: Napoli Sotteranea

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und tatsächlich, teilweise schiebt man sich geduckt und seitwärts bei Kerzenlicht durch die engen Gänge (noch eine Woche die hiesige Verpflegung und ich wäre stecken geblieben). Ist nichts für Phobiker.

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Bis zum zweiten Weltkrieg wurde dort unter den Häusern der Müll entsorgt. Als man die Katakomben dann als Luftschutzbunker nutzen musste, wurde einfach ein Betonboden drüber gegossen. Unter unseren Füssen also fünf Meter hoch Unrat. Raffiniert. Und Praktisch. Ist nur für heute blöd wegen der Touristen.
Das mit der Abfallentsorgung scheint ein traditionelles Problem zu sein.

Überhaupt der Müll. Es wird mir auf ewig rätselhaft bleiben, warum man in eine Natur, der man sich zutiefst verbunden fühlt (entnehme ich den limitierten Gesprächen, die ich hier führe), lauter Zeug wirft. Ich bin nicht einen Weg gegangen, wo nix rumlag. Ne. Oder räumt das bei uns immer einer weg?

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Als ich raus war aus der Unterwelt, habe ich entlich meine erste Granita gegessen, über die ich bei Herrn Steingarten so ausführlich und kurzweilig gelesen hatte.

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Hab sie nicht ganz geschafft. Den Rest erzähl‘ ich dann mal. Demnächst. Erst mal ausruhen.

2 Gedanken zu „Neapel sehen

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