Schliemannstrasse

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Soll man ja nicht machen. War auch keine Absicht. Beim Suchen nach etwas völlig Anderem bin ich gestern wiedermal in den alten Texten hängengeblieben. Und hab mich festgelesen, verblüfft darüber, wer ich einmal war. Und was ich im Vergleich dazu für eine trutschelige hausbackene Person geworden bin. Den Rest des Tages habe ich mit Unterbrechungen darüber nachgedacht, wie ich das finde. Und wie das bei den Freunden so ist. Ausser bei der Schauspielerin (selbst die hat kindswegen aufgehört zu rauchen, von Tabledance ganz zu schweigen), ist allerorten die Sofakultur eingekehrt. Essen mit Freunden statt Morgenzigarette vor dem Club.

Als ich vor einiger Zeit morgens einen Jugendschwarm an der Strassenbahnhaltestelle getroffen hab, mit riesigen Pupillen und ein paar Platten unter dem Arm, ging mir das tagelang nach. Der kam gerade vom Auflegen nach hause, ich war auf dem Weg zur Arbeit. Es kam mir würdelos vor, und ich fand, der C. versuche krampfhaft seine Jugend festzuhalten. Und dass das auf keinen Fall Spass machen kann.

Und während ich so missgelaunt, unzufrieden und vorallem ergebnislos vor mich hindachte, fiel mir dann doch noch das letzte Sylvester ein. Das wildeste seit Menschengedenken. Mit trunkenen Geständnissen vor der Klotür, mit Eifersuchtsszenen bis hin zu Handgreiflichkeiten, irren Gesprächen mit irren Pianisten, die Errettung durch den Schimanski, aufwachen in der geheimnisvollen Wohnung einer Fremden nach zwei Stunden Schlaf. Musste mich zwar lange erholen, habe mich aber grossartig gefühlt. Die Stiefel konnte ich danach wegschmeissen.

Aber einmal im Jahr reicht. Ist ja auch sehr ungesund.

Der Bassist ist ein ganz schräger Vogel. Seine schwarze Brille rutscht in die Mitte des Nasenrückens, wo sie vom Höcker gebremst wird. Er redet und bewegt sich so langsam, wie sich das für Bassisten gehört, ich verstehe nicht, was er mir sagt und das liegt nicht an seinem Akzent, das ist die Augenaufreissichbinwilderkünstlermasche. Im Schliemann, liegt ja auf dem Heimweg, dem gemeinsamen, gibt es noch mehr zu trinken, wir sitzen mittendrin zwischen den Oberabgefuckten. Oberabgefuckt.

Hey Joe, sage ich ohne mit der Wimper zu zucken, das kann ich prima inzwischen, und Joe singt in mein Ohr

I met this girl for the first time on Saturday night
Standing in the queue at the Odeon alright
Then I took her by surprise
When I threw her one of my lines
She started smiling and being real fine

2001

Kursiv sieht echt blöd aus.
Und besser war das nicht. Nur anders.

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