(Auch für Sie) Gelesen

Süddeutsche: Beim Gemäldeverleihen gibt es meist große Reiberei, da ist ein Museumskurator, der hat einen Studienfreund in Leeds, dem er unbedingt den kleinen Blechen ausleihen muss, dafür bekommt er dann desssen Friedrich, wenn er 2027 die große Romanikerausstellung macht. Sofort grätschen die Restauratoren rein, neinein, der Blechen kann keinesfalls auf Reisen gehen, der ist soo empfindlich, die kleinste Erschütterung usw. Doch. Nein. Doch. Nein. Also was sagt denn der Herr Direktor? Doch. Na gut, dann muss aber ein Restaurator mitreisen. Nein. Doch. Also gut. Zustandsprotokoll, Klimakiste (24 Stunden temperiert), Kunstspedition, parallel zur Fahrtrichtung, Flughafen, rein in den Cargobereich, nein der darf nicht auf den Gabelstapler, ich trage ihn selbst, rein ins Flugzeug, parallel zur Flugrichtung. Dann in GB (Südkorea, Schweden, Kanada, wtf) raus aus dem Flugzeug, dasselbe rückwärts, bis er dann am Nagel hängt. Zustandsprotokoll. Nix passiert, strahlt der Studienfreund. Ojehojeh, wiegt der Restaurator bedenkenvoll sein Haupt, wenn man da genau hinsieht, ojehojeh. Und wenn ich dann das lese. Ojehojeh.

FAZ: Wie viele Tage habe ich auf dem jüdischen Friedhof in Weissensee verbracht, frohe und tränenreiche, allein, zu zweit zu dritt u. zu ganz vielen, mit dem Kind und ohne, habe stundenlang die wundeschönen Namen auf den Grabsteinen studiert (Entenbaum hat den ihren daher), mich verlaufen, den Erdkröten beim Gruppensex zugeschaut, bin erfürchtig in den zerfledderten Mausoleen erstarrt, gemutmaßte Familiengeschichten (von denen sicher viele schrecklich und gänzlich endeten). Ein Wunder, dass es diesen Ort so noch gibt. Nun ängstige ich mich vor der angedrohten (bereits begonnenen) Sanierung. Ojehojeh. Heute Gestern Abend im TV. (Aber es gibt ja Internet?).

Email: Der absolut grossartige Herr Horzon macht nun auch Musik. Mit Peaches.

Freitag: Und vielleicht könnte ich im nächsten Sommer statt nach Island dort hin. Karelien wünsche ich mir schon lange. Wenn jemand mitkommt. Ich würde auch sicher wieder ein paar Steine mitbringen.

Süddeutsche nochma: Dazu sage ich jetzt mal nix. Ausser vielleicht Ojehojeh.

12 Gedanken zu „(Auch für Sie) Gelesen

  1. montez

    Ne, so war das nicht gemeint. Eher so, dass nur mein Rechner sowas abspielen kann. Und auch nur dann, wenn er Lust hat. Ich schau doch keine Spielfilme.

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  2. schneck08

    Diese Objekt-Begleitung ist was tolles! Hab ich leider noch nie gemacht, da Wandmalerei ja in keinen Flieger passt. /(doch, einmal: hatten in südengland ein gemaltes wappen zersägt und „stacco“ abgenommen. die zöllner staunten nicht schlecht, als wir angaben, wir hätten ein „Wall Painting“ hinten drin. haben den kopf geschüttelt, ah… gesagt und sich nicht getraut, weiter zu fragen.)

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  3. montez

    Was für eine Vorstellung! Ein Stück Wand im Flugzeug. Sehr gut.
    Ehrlich gesagt war das Begleiten das Tollste (da könnt‘ ich Sachen erzählen …). Als ich dann später immer an der Staffelei sitzen musste, naja, hab ich schon erwähnt.

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  4. kid37

    Mit den Bommeln beim Bummeln bimmeln. Manche Dinge wirken im reiferen Alter ja wirklich nicht mehr so… seriös. Deshalb bleiben meine Kreatör und Slayer-T-Shirts auch im Schrank. Schade, die Arte-Doku habe ich verpaßt, ich hatte den FAZ-Artikel auch überflogen. Klingt interessant, ich kenne den Friedhof leider nicht. Vielleicht sollte ich doch mal nach Berlin.

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  5. Casino

    „parallel zur fahrtrichtung“, wunderbar. bildbegleitung scheint eine interessante beschäftigung, aber bilder brauchen schon eher einen festen ort in zeit und raum, man kann ja schlecht die ganzen bezüge immer miterklären, das reisst ja alles auseinander. passt zur verherrlichung einzelner hype-arbeiten, die werden ja auch aus jedem außer dem finanziellen kontext rausgeholt dadurch.
    ich trauere ja dem hinterherreisen von bildern etwas nach. zb einmal zu vermeer ins reichsmuseum getrampt, als sowas noch nötig schien, pleite, müde, aber drin im bild.

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  6. montez

    Das haben Sie gemacht? Wobei, das ist schon angemessen. Ich finde, es ist immer ein ganz erschütterndes Erlebnis, wenn man ein Bild, das man von hundert Reproduktionen kenn, auf einmal ganz unschuldig und bescheiden in seinem (also dessen) Wohnzimmer in echt betrachten kann. Oft ist es dann ja auch noch ganz klein.
    Haben Sie den Vermeer hier gesehen? Via Madame Faust.

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  7. Casino

    ich war halt verliebt, sonst wäre ich da vielleicht nicht hingefahren, aber wer weiß das schon noch so genau. aber mit dem vorlauf war die kunst dann tatsächlich sehr berauschend und aufregend.
    danke für die tolle bilderlooppantomime, sehr super. die dame zumindest hab ich glaube ich nicht gesehen, keine erinnerung, nur an den film neulich mit der zuckersüssen scarlett.

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