Der Treppenwitz

tiere
Wann immer ich das Wort Treppenwitz irgendwo lese, fächert sich jenes Szenario vor meinem innneren Auge auf: Die Schulze aus dem dritten und die Schmidt aus dem zweiten, auf dem Absatz zwischen ihren Wohnungen neben einer picobelleo abgestaubten Sansevieria stehend, in unterschiedlich gemusterte Kittelschürzen gewandet, stecken die Köppe zusammen. Die Schulze (oder die Schmidt?) zischelt Kennste den schon? Den Rest ins andere Ohr. Und dann kichern beide und sehen sich verstohlen um.

Es riecht nach Bratkartoffeln und ein bisschen nach Bohnerwachs. Aus der offenen Wohnungstür aus dem zweiten wehen ein paar Takte Volksmusik herauf. Die Tapete ist mit Glitzer. Auf jeden Fall ist Sommer.

Und jetzt gehe ich meinen Besuch machen.

3 Gedanken zu „Der Treppenwitz

  1. tikerscherk (Gast)

    Kittelschürzen, Bratkartoffeln, Bohnerwachs.
    Und dann ein schlüpfriger Witz.
    Ich hab´s förmlich vor Augen.
    Trotz des bürgerlichen Miefs heimeln mich solche Gerüche an.
    Schulzes und Schmidts eher weniger.

    Antworten
  2. tikerscherk (Gast)

    Ja! So riecht es dort! Und auch nach Rippchen mit Kraut, nach Spiegeleiern und nach Waschpulver. Der weiße Riese, Ariel, Persil.
    Sonnencreme hieß damals immer Delial.
    Oder man benutzte Tiroler Nussöl.
    Um Lichtschutzfaktoren hat sich niemand geschert.

    Antworten
  3. montez

    Ich habe meine Kindheit in so einem Mietshaus verbracht, meine geliebte Tagesmutter hat mit ihren zwei Söhnen Parterre in einer Zweieinhalbzimmerwohnung in so einem Block gewohnt. Nachbarn mit Salzteigkränzchen an den Türen und Apricotzwergpudel auf dem Balkon zwischen den Petunien. Mir macht das warme Gefühle, ich war da gerne, auch wenn das nie meine Welt war. Und mir die Schmitz und Schulzes ebenfalls weitgehend fremd blieben.

    Das riecht auch nach Sonnencreme, Fischstäbchen und ungemachten Hausaufgaben

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.