Se tenir au Courant

Mehrmals im Jahr fällt die Neuköllner Freundin mit ihrem BlaKindlein hier ein. Dann tritt sofort mein Frl. Rottenmeierpersönlichkeitsanteil hervor (meine Erziehungsideen sind voll 20. Jahrhundert) und ich renne denen atemlos nach und rufe ohne Unterlass: Nein, nicht anfassen, nein, das ist nicht zum Spielen usw. Meist packe ich sie dann irgendwann am Schlawittchen und werfe sie in eine Schlammgrube vor dem Haus. Das finden die dann auch noch gut.

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Die T., das Mädchen, ist ähnlich wie ich als Kind war, scheint mir. Sucht sich Zeug zusammen und schneidet und klebt, und am Ende kommt was Erstaunliches dabei raus, so hat sie zum Beispiel beim letzten Mal ein Paar Schuhe hergestellt, mit denen sie allerdings nur kurz unterwegs war. Obwohl ohne Schlamm. Ich muss die aufheben, ward befohlen. Für’s nächste Mal. Hätte ich aber auch so.

Die Greisin liebt leider Wintergärten, die sie Glashäuser nennt, so ist das schöne alte Haus umzingelt von diesen Dingern. Ich hab mich dran gewöhnt, die Flieger leider nicht, und daher liegt dort regelmäßig totes Getier herum, Falter des Tages und der Nacht, Libellen, Hummeln und so. Natürlich haben wir über all Fangutensilien (Glas und Postkarte), denn wenn wir sie sehen, werden sie gerettet. Kann man ja aber nicht immer überall sein.

Die T. hat das getan, was ich als Kind auch schon tat. Sie gesammelt. Und mir fiel ein, dass ich aus dem überbordenden Nachlass des alten Montez noch so Plexischachteln mit vielen kleinen Fächern aufgehoben hatte. Wer weiß, wofür die mal gut sind. Jetzt sind sie voll. Mit Kohlweisslingen, Libelle, Hummel, Hornisse, Biene und vielerlei Nachtfaltern. Am liebsten hätte ich die Schachteln behalten. Leider hab ich nicht mal ein Bild gemacht.

Dafür habe ich vorgestern die Fahrkarte nach Avignon gekauft. Die Neuköllner Freundin wurde seinerzeit überredet, mit mir einen Künsteldichfrei-Kurs in der Provence zu besuchen. Ich bin sehr gespannt, denn bei mir wird das zum ersten Mal hoffentlich nicht die Ichmaljetzeingeilesbild- sondern Ichfindmichselbstscheissegalwasrauskommtmotivation sein. So richtig altersgemäß. Vielleicht singe ich auch noch dabei. Nackt.

Meine Schöne, hab ich gesagt, lass uns mal was richtig Analoges machen. Sie ist Cutterin. Fand sie gut. Und so mieteten wir eine überteuerte Ferienwohnung in einem bezaubernden Dorf inmitten der Natür (in dem Bereich bin ich ja echt ausgehungert) und werden demnächst Dinge produzieren, die zumindest ich erfahrungsgemäß nicht mit nach hause nehmen möchte. Weil. Siehe oben. Und dann noch bisschen in Marseille rumhängen.

Die Comiczeichnerin hat jede Menge Empfehlungen. Vielleicht ist sie sogar da.

Jetzt heisst es Daumen drücken, dass hier alle rundläuft. Das ist gerade ziemlich unberechenbar. Meine Reiserücktrittsversicherung hatte ich ja mal wegen der eigenen Unberechenbarkeit abgeschlossen. Die ist ja glücklicherweise ziemlich berechenbar in letzter Zeit. Möge es so bleiben. Ach.

4 Gedanken zu „Se tenir au Courant

  1. rosmarin

    dito :-)…
    und immer noch der provence hinter her seufzend….
    ich gäb sonst was drum, dort mal wieder herum zu stehen (zur not auch nackt singend :-))

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