Ausser uns

Gewohnt haben wir malerisch, weit oben mit Blick auf Dächer, Kirche und ein funkelndes Kraftwerk, zusammen mit Susi und Walter. Die beiden waren ruhig und unkompliziert, nur wenn die Sonne rauskam, hatten sie nichts als an Sex im Kopp. Wäre uns egal gewesen, hätte es nicht immer so einen lauten dumpfen Schlag getan, wenn Walter Susi von hinten nahm (oder andersrum). Besonders laut kam es uns vor, wenn wir im selbst im Bett lagen, um uns ein bisschen von der aufreibenden Kreativität zu erholen. Sind übrigens Zwillingsbrüder. Hat sich später rausgestellt. Wir haben noch versucht, sie mit frischem Obst zu beruhigen. Mit bescheidenem Erfolg. Also ohne.

Ansonsten praktisch keine Geräusche. Die Gassen des Dorfes sind so eng, dass keine Autos fahren. Überall Treppenstufen. Nachts das Streiten der Käter, der Kauz sitzt in der schwarzen Zypresse und ruft Kiwitt in die klare Nacht. Die Kirchturmuhr schlägt jede halbe Stunde, die vollen zweimal, um drei wache ich auf. Immer. Aus wirren Träumen. Mit alten Bekannten.

Nachmittags scheppern Kinder auf Skateboards die steilen Gassen runter. Sonst nur das Geräusch des Zeigers der sich rasant auf der Sonnenuhr bewegt. Schatten: Der einzig harte Kontrast. Alles andere von milchigem Staub überzogen. Auch meine Füße. Auch Susi und Walter. Auch die Gedanken.

Es gibt eine Bäcker, der machmal von seiner Frau verlassen wird, dann brennen die Croissants an, einen Metzger, der winkt, wenn man vorbei geht, den TABAC, gut sortiert, und das Café de Commerce mit seinen vier Sorten Pastis. Dekoriert von Trophäen des Stierclubs. Ein Hotel mit Springbrunnen. Einen Friedhof. Die Bushaltestelle. Keinen Bus mehr seit zwei Wochen.

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