Was ich nicht mehr lesen möchte

Nun habe ich also ein Lavendelbad genommen (es ist Sonntag) und die Flaw studiert. Eine Zeitschrift mit Beiträgen über mittelintelligente Frauen, die haufenweise Binsenweisheiten absondern (also ungefähr wie hier). Dazwischen gibt es Artikel voller Binsenweisheiten im Allgemeinen. Ich bin ziemlich fassungslos: Ausser dass dieses Machwerk in einem hübschen Kleid daher kommt, habe ich selten ein überflüssigeres Printprdukt in Händen gehalten. Im Grunde ist das nichts als eine noch schlechtere Brigitte im neuen Gewand. Das Wort Achtsamkeit kommt ungefähr acht Millionen Mal vor, es wechselt sich ab mit YOLO in manigfaltigen Varianten.

Dann gibt es noch A 4 Aufkleber mit Binsenweisheiten Do what you love and fortune will follow und Everything is going to be OK, was für eine gequirlte Kacke, und nein, nicht everything is going to be OK, bedaure. Schon gar nicht auf Englisch. Ein paar unsinnige Kochrezepte, eine kleine Zeichenstunde (wtf?), ein Simplifyyourlife-Wochenplaner zum Raustrennen und als Krönung eine Anleitung, wie Frau eine Lampe aufhängt. BITTE? Ich wünsche mir ganz sicher keine Zeitschrift, die annimmt, dass ihre Zielgruppe diesbezüglich Bedarf hat. Angenommen ich hätte das, und ich frage mich, was das für Menschen sind, die nicht spätestens mit 19 das erste Mal eine Lampe installiert haben, würde ich mich schnell in diesen dollen Internet informieren. Und nicht in einer trutschligen Frauenzeitschrift. Achja, Einkaufstips gibt’s auch noch.

Am meissten bin ich geschockt, dass drei enge Freundinen annehmen, mir könnte sowas gefallen. Ich hoffe inbrünstig, die haben sich von der reizenden Aufmachung verleiten lassen und nicht so intensiv reingeschaut. Ich werde nun noch in den Genuss weiterer Ausgaben dieser Publikation kommen (Geschenk-Abo): Da hilft nur, das Ding als Grafik-Studienobjekt zu betrachten und dann zum Anfeuern zu nutzen. Ich wüsste nicht mal, wem ich das weitergeben könnte.

Frau D. schreibt, sie habe geweint vor Begeisterung beim Durchblättern. Vielleicht stimmt ja mit mir was nicht.

14 Gedanken zu „Was ich nicht mehr lesen möchte

  1. speedhiking

    Wer ist Yolo? Na wurscht. Vielleicht können Sie die Zeitschrift gegen die neueste emotion umtauschen, ist auch so ein Wirhörenaufdieinnerestimmekäs. Hab‘ ich mir ja ganz doll vorgenommen beim nächsten Friseurbesuch zu lesen und (jetzt aber ohne mich zu verkrampfen) nachzuspüren, was mich da drin anspricht, so energiemäßig.

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  2. montez

    Das Beunruhigendste an der Sache ist, dass ich anno dazumal bei einer dieser Freundinnen gesehen habe, wie man das macht. Und die anderen können es auch. Zweifellos. Und schon lang.

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  3. montez

    Ne, sicher nicht. Da les‘ ich lieber die Bunte, da erfahre ich wenigstens, was meine Klassenkameradinnen so treiben. Und wenn ich sonst Zeit verdaddeln will, so energiemässig, schau ich lieber eine Folge Barnaby [Aufschrei von Herrn Kid]. Vor dem Nachspüren. Oder dabei.

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  4. montez

    Wusst‘ ich’s doch. Eine dunkle Erinnerung, dass Frau Mutti mal wenig begeistert über eine Zeitschrift gebloggt hat. Den Namen hatte ich mir nicht gemerkt, aber das Gefühl gehabt, das könnte die gewesen sein und den Eintrag wieder gefunden. Ja. So war also die erste Ausgabe.

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  5. Friederike (Gast)

    (im Hühnerstall) habe ich gestern immerhin die Zeitschaltuhr für den vollautomatischen elektronik-Stallwächter-selbstschließmechanismus neu programmiert, was eigentlich schon ein mechatronikelektrotechnikstudium voraussetzt. Insofern.

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  6. keinekrabbe

    das Dings am Bahnhofskiosk durchzublättern. Und das war es dann auch schon. Allerdings ergriff mich etwas Anderes, Berufsständisches: So eine Zeitung würde ich gerne auch mal gestalten, so ins volle Formenvokabular gegriffen, und dann Millionen machen – mit so Dummzeugs.

    Aber Lavendel ist schön, oder?

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  7. montez

    Ja. Genau so geht mir das auch. Als berufliche Anregung kann man das fast durchgehen lassen. Papierwechsel, schöne Illus, Stanzungen und so. Hat alles sein gutes. Aber ob das mit den Millionen klappt?

    Lavendel ist super.

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