Wenn die Tage kürzer werden

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Wenn sich schon früh am Abend der Schein der gelben Strassenlampen im nassen Asphalt spiegelt. Man blanke Kastanien in der Hosentasche hin- und herschiebt, jedes Jahr auf’s Neue staunend ob deren makelloser Glätte. Wenn der Nebel aufsteigt und aus allem die Sättigung heraussaugt (dafür ab Mittag Farben, die den ollen Sommer glatt zum heulen bringen). Wenn die Natur mit Früchten um sich wirft, die Wespen an den Birnen nagen, Mostschwaden beim Spazieren zwischen frischgewaschenem Leuchten. Stoppelfelder. Ackerfurchen.

Wenn der Himmel blau ist. Dunkelblau. Oder lichtgrau. Die Schritte knirschen zwischen Nüssen, Eckern, Eicheln, die Blätter rascheln und die Spinnen weben, nur dass der Tau was hat, an das er Perlen hängen kann. Astern. Anemonen. Und die Clematis blüht noch einmal.

Die Decke tauschen, dicke Daunen. Grosse Wollpullover, den Whisky aus dem Kasten holen, vom Staub befreien. Kartoffel, Kohl und Kürbis. Ein Feuer im Kamin. Die Füße hoch. In dicken Socken.

Dann. Herbstzeitlose. Meine Liebe.

18 Gedanken zu „Wenn die Tage kürzer werden

  1. Friederike (Gast)

    Ja. so isses. Es könnte schön sein. (wenns nicht dabei gleich so arschkalt wäre. Machen Sie bitte am See schon mal die Heizung an. Ich melde mich. Muß erst noch planen.)

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  2. speedhiking

    „… und die Rosse, und der Locken Pracht!“
    „Schon recht, aber hat sie denn auch ein Kaminzimmer?“

    [aus den ‚Romantischen Gesprächen zweier Freunde‘;
    süddt. 19.Jhdt., Autor unbekannt, fragmentarisch]

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  3. Maphisti (Gast)

    Auch mich hat Ihr wunderschöner Text geradezu euphorisch beflügelt …:

    Die Schatten werden länger,
    die Sonne scheint mild.
    Um manchen Herzen wird’s enger,
    nur meins, das bleibt: WILD!

    (So, hab‘ ich mir wenigsten vorgenommen … Kann man doch mal, oder?)

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  4. tikerscherk (Gast)

    Ach, Frau Montez, das ist aber ein sehr schönes und einladendes Herbstgemälde, das Sie da gemalt haben.
    Wie gerne wäre ich jetzt dort im Süden bei Ihnen, täte mich einfach selbst einladen, würde gepflegt rekonvaleszieren und dabei den Herbst sein Werk verrichten sehen.

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  5. montez

    Meine Dame, ich bin jetzt von Sonntag bis Sonntag die Greisin in warmem Wasser wiegen, danach sind Sie sehr willkommen. Bin ohnehin grad im Peppelmodus und irgendwer muss ja auch den restlichen Mangold essen.

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  6. tikerscherk (Gast)

    Das ist wirklich sehr liebenswert! Schon das Angebot stimmt mich frohgemut.
    Nur will der eine oder andere Chirurg noch einmal ein Auge auf das Werk werfen und hier oder dort Hand anlegen, so dass meine Rekonvaleszenz zwingend in der Nähe der Klinik stattfinden muss.
    Immerhin flammt auch hier der Wein und der Nebel kriecht morgens durch alle Ritzen.
    Nicht zu vergleichen mit Ihrem Idyll, aber immerhin.

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