Alle Jahre wieder

Fängt so langsam an, hab ich gesehen. Ich Streberin bin schon fertig, obwohl das Jahr ja noch läuft. Hoffen wir, es gibt dennoch keine unangenehmen Überraschungen. Ich hab’s vom Wortschnittchen.

Zugenommen oder abgenommen?
Mal so mal so. Immer noch.

Haare länger oder kürzer?
Viel länger. Ich halte noch durch. Bald geht Lady Godiva.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Noch kurzsichtiger. Das hört wohl nie auf. Ojehojeh. Und weitsichtig. Ts.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Noch weniger. Habe kaum mehr Freude am Kaufen.
Erstaunlich, wieviel Geld ich auf einmal hab.
Wieviel ich früher so rausgehauen hab.

Der hirnrissigste Plan?
Die Biennale noch reinzuquetschen. Schnell verworfen. Schade.

Die gefährlichste Unternehmung?
Nicht meine. Aber irgendwie auch. Der Greisin HerzOP.

Der beste Sex?
Sehr witzig.

Die teuerste Anschaffung?
Ein Kaminholzwagen. Nicht zu fassen.

Das leckerste Essen?
Wie immer oft gut gegessen. Wenn nicht gut, dann lieber nicht. Essen.
Und LECKER schon mal gleich sowieso nicht.

Das beeindruckenste Buch?
Tatsächlich Meike Winnemuths Das große Los. Hab mich oft wiedergefunden.
Ich Alleinreisende. Aber beindruckend ist wohl nicht das richtige Wort.

Der ergreifendste Film?
Pf. Kein Film. Doch: Quadrophenia.

Die beste CD?
Keine CD. Gar keine Musik.

Das schönste Konzert?
Und kein Konzert.

So jetzt misch‘ ich mich mal ein hier:
Die schönste Ausstellung?
Ja. Die Documenta. Ich Depp. Das ist ja schon Jahre her.

Die meiste Zeit verbracht mit …?
Pepone Zeppelin Trotzki. Tja. Und mit Bangen.

Die schönste Zeit verbracht mit …?
Der Greisin. Auf Reisen mit meinen wunderbaren Freunden.
Meiner Familie und den Nachbarn.

Vorherrschendes Gefühl 2013?
Bangen. Hoffen. Freuen.

2013 zum ersten Mal getan?
Die Greisin im Rollstuhl geschoben. Nach Lissabon gereist. Einen Stein behauen. Eine Schlagbohrmaschine gekauft.

2013 nach langer Zeit wieder getan?
Gebetet. Gemalt. Nach Frankreich gereist.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Krankenhausbesuche. Absurde Arztanweisungen. Arbeit.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Du schaffst das! Nur noch zehn Meter!

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
IMG_3133
Die Greisin hat einen Schaukestuhl bekommen.
Sie behauptet, man müsse sie demnächst chirurgisch davon ablösen.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Dass sie es geschafft hat.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Es hat alles gut geklappt. (Oh, Dr. K.♥!)

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Ts. Pf.

Mehr Kohle oder weniger?
Mehr. Egal. Völlig.

Das enttäuschendste Buch?
Der neue Lynley. Mindestens 500 Seiten zu lang.

Mein schönstes Buch (das gab es nämlich):
IMG_3141
Reading Ed Ruscha

Mehr Sport oder weniger?
Sport?

Der beste einzige Theaterbesuch?
Der fröhliche Weinberg. Kulturell war das Jahr jetzt nicht so ergiebig.

2013 war mit einem Wort …?
Aufreibend.

Vorsätze für 20134?
Mehr Sex. Mehr Berlin.

2012

Moderne Zeiten

603_mh
Hellersdorfer Nachbarschaft

In der benachbarten Kleinstadt gibt es ein Asylbewerberheim. Keine Feindseligkeit, Vollbeschäftigung und flächendeckendem Wohlstand sei Dank. Ganz im Gegenteil, es gibt einen regen Helferkreis, der nicht müde wird, die unerfreulichen Zusstände dort öffentlich anzuprangern. Steht dann in der Zeitung, von drückender Enge, verschlammten Vorplätzen und fehlenden Aufenthaltsmöglichkeiten. Schon von außen sieht es mehr als trist aus.

Mich bewegt das Schicksal der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen. Entflohen einem Bürger- oder sonstigen Krieg, Verfolgung und Folter entronnen, haben sie es endlich hierher geschafft, vermutlich ohne jedes verbliebene Hab und Gut. Traumatisiert vom Erlebten, alles Vertraute, Heimat und Sprache zurücklassend um hier vielerorts unverholen zum Teufel gewünscht, mit Sachen beschmissen und weggesperrt zu werden. Damit ihnen draußen nix zustößt. Im besseren Fall leben sie zu vielen auf wenigen Quadratmetern, dürfen erst mal gar nicht und dann nur vielleicht arbeiten. Nachrangiger Zugang zum Arbeitsmarkt.

Ich habe in Berlin im Laufe der Jahre bei einer Straßenbibliothek in Lichtenberg mitgemacht, zwei Fotoprojekte für Kinder und Jugendliche in Hohenschönhausen und Marzahn organisiert und eines in der vielgerühmten Arche in Hellersdorf. Sagen wir so, ich kenne die Ecke ganz gut und ich habe manchen Erwachsenen dort nicht unbedingt lieben gelernt. Die Kinder schon (auch nicht alle). Natürlich leben dort nicht nur Nazis. Im Gegenteil, ich erinnere mich ungern an meine gebetsmühlenhaften Wiederholungen über die dortigen (akzeptablen) Lebensbedingungen gegenüber meinen zugezogenen Berliner Freunden, die ihre westdeutschen Ärsche selten aus ihren verkuschelten Innenstadtbezirken rausbewegt haben, außer vielleicht um an den Liebnitzsee zu reisen. Oder nach Chorin.

Diese Sache in Hellersdorf hat mich ob ihrer Vielschichtigkeit sehr beschäftigt (scheint als gebe es inzwischen irgendeine Art von Nebeneinander). Und dann noch die ständigen Artikel in unserem lokalen Käsblatt. Lassen mir keine Ruhe.

Ich habe versucht, zu diesem Helferkreis Kontakt aufzunehmen. Ich habe mehrere Stunden das Internet durchforstet, ohne Erfolg. Dann habe ich die Namen aus den Zeitungsartikeln gegugelt, einen davon ziemlich zweifelsfrei identfiziert und ihm eine Mail geschrieben. Eine nette Antwort bekommen. Noch eine Mail und noch eine Mail geschrieben. Und nix mehr gehört. Boah. Und nu?

Die brauchen hier niemand? Die brauchen hier niemand.

Geheimdiplomatie

Na klar war jeder einzelne Rubel des ehemals(?) sagenhaften Vermögens von Herrn Chodorkowski mit redlicher Arbeit verdient. Da kann man schon mal tief in die Diplomatiekiste greifen. Der soll es doch wieder gut haben.

Nicht so wie bei Herrn Snowden, der elternlose amerikanische Kinder gezwungen hat, dass weltweite Internet zu transkribieren. Oder so.

Aber vielleicht versteh ich auch nur wieder was falsch. Und sowieso hat die Greisin recht, die findet der arme Edward sei bei den Russen sicherer als bei uns. Da trauen die Amis sich nicht ran. Hier würde er vermutlich auf einer Bananenschale ausrutschen oder in einen in einen versehentlich nicht ordnungsmemäß verschlossenen Gullischacht fallen.

Weihnachtsgeschichte

IMG_3138

Es begab sich vor langer Zeit, daß die alten Montez‘ einer Lücke überdrüssig wurden. Sie entschieden, dort Nadelbäume einzupflanzen. Wie damals üblich, geschah das ordentlich in Reih und Glied, in kurzen Abständen Douglasien und Tannen, weil die Greisin die so gern hat. Die Bäumchen gediehen mehr und minder und alle Jahre wieder, an deren Ende, brachen die beiden und die Säge auf, einen Weihnachtsbaum zu ernten. Schon auf dem beschwerlichen Wege gerieten sie sich, wie es auch sonst (wenig bedenklich) geschah, über das ein oder andere, für Außenstehende unbedeutende Details derart in in die Wolle, daß die Wahl des Baumes sich zu einer fast unlösbaren Aufgabe aufgeschaukelt hatte. So wurde nach den jahrelangen aufreibenden Ernten beschieden, den Baum trotz des kleinen eigenen Waldes fürderhin konventionell zu beschaffen. Dies geschah dann lange Zeit, mal waren die Bäume gut gewachsen, mal im Sonderangebot erworben und entsprechend so mittelhässlich. Bisschen Disput gabs immer.

Jahre später ging die Baumlogistik auf mich über, und natürlich kaufte ich biologisch angebaute, bei Vollmond geschlagene, zu völlig unangemessenen Preisen. Der Flirt mit dem Baumverkäufer war eines der Jahreshighlights, er hat wirklich schöne Augen. Ganz zu schweigen von seinem großen roten Auto.

Unlängst zwang mich der Försterfreund, die Ländereien zu durchstreifen, mich ermahnend, welche Bäume nun dringend unaufschiebbar mal zu fällen wären. Ich hasse das. Der Försterfreund sprühte neonpinke Hieroglyphen auf die Stämme, ich nickte augenrollend, und nach langer schweißtreibender Wanderung gelangten wir zu der erwähnten Schonung. Die finde ich saudoof. So preussische Regimentsreihen. Zudem sind die Typen inzwischen riesig und nehmen sich gegenseitig alle Licht und Luft zum Leben. Jede Menge müssen weg. Na gut.

Ich erwähnte die olle Weihnachtsbaumgeschichte. Toll rief der Försterfreund, so einen Gipfel könne man tadellos dergestalt verwenden, dufte Sache. So kam es, daß ich Tage später den Lieblingsnachbarn bat, die Säge zu aufzuschultern, um einen solchen Baum zu Fall zu bringen. Auf dem Weg haben wir schon heftig rumgekichert. Versuchen Sie mal, in einem dichten Dickicht festzustellen, welche weit entfernte Krone gut genug gewachsen ist, um herrlich dekoriert ein Wohnzimmer zu zieren. War also wie die Maschinen auf dem Jahrmarkt, wo man an einem Faden zieht, in der Hoffnung, daß da der Teddy dranhängt. Wir, also er, sägte einen ab, der fiel um und war oben flach. Mehr so quadratisch. Der nächste. Pf. Dürr und krumm. Der Lieblingsnachbar trat schon ein wenig zapplig von einem Bein zum anderen, denn er hatte noch Dinge zu erledigen. Also, einen noch. Der ist es jetz.

Als die Mutter aus der Anstalt heimkam, führte ich den Krepel vor, ich kann auch gern noch einen andern kaufen, doch wir entschieden, ihn so vollzuhängen, so daß keiner mehr erkenn kann, was der für einer ist. Ein ja. Dings. Ich werd dann mal ein Bild machen. Im aufgemotzten Zustand.

Kräfte

IMG_3116
Gestern endlich in der Fabrik gewesen. Der Hilfskerl trägt zwei Säcke auf einmal (was für ein Kerl!). Sie sind noch immer im Kofferraum, mir graut vor dem Ausladen, auch einzeln. Aber muss ja.

Und ich bin froh, daß ich die alljährliche Reise nicht alleine tun musste.
Hatte ich schon befürchtet zwischendurch. Hach. Schön.