Alterserscheinungen

Manchmal hat es ja was für sich, das Älterwerden. Zum Beispiel die Sache mit dem Whisky. Ich fand das schon lange eine grossartige Vorstellung, im moosgrünen Tweeddreiteiler in einem speckigen Clubsessel (der F. hatte so einen) am lodernden Kaminfeuer die vom langen Ausritt schmerzenden Glieder zu wärmen, die schmutzigen Reitstiefel auf dem passenden Hocker, im Aschenbecher das Zigarillo die qualmende Havanna und: ab und zu ein Schlückchen vom goldleuchtenden uralten Single Malt. (Im Hintergrund freundliche Klaviermusik, der Butler reicht das Silbertablett mit den Gurkensandwiches und fragt nach den Abendessenswünschen usw. usf.) Aber er schmeckte mir ja nicht.

Die Zigarilloraucherei hab ich schnell, wegen leidenschaftlicher Proteste meiner Nächsten wieder eingestellt. Der Tweeddreiteiler erwies sich als schwierig in der Beschaffung (bin noch dran), der F. samt Sessel ist fort, die Reitstiefel sind zwar dreckig, wenngleich schon lange unbenutzt und das Kaminfeuer, eine andere Geschichte. Aber der Whisky.

Vielleicht habe ich ja schon mal erwähnt, dass ich in diesem Früjahr in Schottland war. Mit der K.. Die sich ein bisschen auskennt und sogar ein schlaues Fachbuch dabei hatte, das sie erst eine Weile vor mir versteckt hat, bevor sie begann, mir abends daraus vorzulesen. Nie hätte ich gedacht, dass ich mit den merkwürdigen Ortsnamen, die ich vor einiger Zeit hier las, mal was verbinden würde. Wir waren dann auch gar nicht auf Islay, sondern (u.a.) in Oban,

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haben direkt oberhalb der Destillerie (der Schornstein) gewohnt und sie auf den letzten Drücker noch besichtigt (so ungefähr habe ich es verstanden mit dem Torf, der Maische und den gebrauchten Fässern, mein Schottisch ist allerdings so mittel). Und ich hab probiert.

Natürlich waren wir auch in Edinburgh, wo wir ganz wunderbar (ja, Haggis auch) speisten, es gab dort Whisky. Den hab ich probiert. Freundin S. hat mal eine Weile in E. studiert und uns zum abendlichen Absacker ihren Lieblingspub ans Herz gelegt. Zufällig gab es da Whisky. Und da hab ich dann noch mal probiert. Ne, besoffen war ich nicht, dass ist ja immer nur so ein Mäusepipi, aber hingerissen von der GESCHMACKSEXPLOSION. Den Oban, den ich der Greisin mitbrachte, haben wir jedenfalls entgegegn K.s Prognosen in einem Vierteljahr niedergemacht.

Warum ich das alles aufschreibe: Statt des Heissgetränks genoss ich am Samstag Abend in charmanter Gesellschaft einen Lagavulin in der einzigen Bar am Platz. Und das, obwohl ich mich doch in der Singlemalteinöde wähnte. Der Barkeeper erzählte allerdings, dass er zum Jahresende schliesst. Er geht in die Werbung. Ich muss doch nach B., Stoff besorgen.

Ach übrigens, Sie können mich Camilla Montez nennen.

6 Gedanken zu „Alterserscheinungen

  1. Casino

    nun, wenn sie in b. mal ohne whisky stranden sollten: ein paar singlemalts stehen hier immer. der lagavulin ist allerdings bedauerlicherweise seit dem letzten gast alle, den ardbeg will keiner, aber so 2/3 alternativen habe ich. keinen kamin leider, aber tweed hängt im schrank.

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