Fast wie ein Zauberberg #03

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In wilder Hast, um Krankheit und Siechtum zu entrinnen, umrunde ich ein um den anderen See, halte selten inne, die Aussicht zu geniessen, immer weiter. Bald habe ich Blasen, gross wie Wagenräder und kann am (ohnehin würdelosen) Nordic Walking Kurs nicht teilnehmen. In meinem Abschlussbrief wird stehen: Die Patientin konnte Gleichgewicht und Körperkoordination beim Nordic Walking deutlich verbessern. Für ersteres steige ich täglich auf ein Brett und versuche durch Bauchtanz auf einem Bildschirm einen Punkt in ein Quadrat zu manövrieren, das Runde muss ins Eckige, man kennt das ja. Ich weiss inzwischen, nichts wird sich dadurch verbessern, ausser dass ich auf einem Brett einen Punkt usw., wozu es im echten Leben eher selten kommt. Die Angst vor südenglischen Steilküstenpfaden wird jedenfalls nicht weniger. Statt zur Seviettentechnik gehe ich zur Tongruppe und statt der erwünschten Obstschalen mit Blattabdruck forme ich traurige Gestalten mit hängenden Köpfen. Frau R. ist sehr autoritär und nimmt den Leuten die Tonwürste aus der Hand, so macht man das, mir nicht, das haben wir gleich beim ersten Mal geklärt. Der IQ-Test behauptet, blöder sei ich nicht geworden, ich bleibe skeptisch. Frau S., die grossartige Psychologin, ist krank. Ich gehe also zu Frau H. und wir stellen beide fest, dass wir nicht zusammenpassen.

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An der Hubbrücke gibt es ein zauberhaftes Restaurant mit Steg und Liegestühlen, Maräne und badischen Grauburgunder, ich lerne die G. kennen, auch Psychologin, aus Berlin, Stuttgarter Platz, juchei, das ganze Hirn voller Läsionen, wie ein Streuselkuchen hat der Radiologe zum letzten MRT gesagt. Da sitzen wir, uns zugetan, die Sonne geht pastellig unter, sie raucht Kette und ich trinke ein Glas Wein oder auch zwei. Einmal müssen wir abends einbrechen.

Ihre Leberwerte sind viel zu hoch der Internist scheint ernsthaft besorgt um mich und ich denke schweissgebadet an die ausschweifenden Abende mit dem F., die immer im Fiasko enden. Mmh, ja ich trink schon Alkohol murmle ich meinen meinen Bart Eine Flasche Schnaps am Tag? so seien sie nämlich, dann kommt das wohl doch vermutlich vielleicht von dieser Medizin. Uff. Trotzdem kein Wein mehr ab sofort (nur noch Fassbrause). Bei der nächsten Überprüfung sind sie noch ein bisschen schlechter. Ist das jetz gut?

Diese Hitze. Bald haben nur noch die Stare Schwung, auf den Kirschbäumen vor meinem Fenster. Ratzfatz und leer, gefällt mir gut. Ich muss zum Wasserballett, zur Stressbewältigung, zur Ballgymnastik. Dann kommt der F. zum Wochenendbesuch, er parkt ziemlich weit entfernt und will lieber nicht mit reinkommen. Ich laufe zu ihm hin und freu‘ mich.

Die anderen Folgen gibt es hier.

4 Gedanken zu „Fast wie ein Zauberberg #03

  1. kid37

    Ich merke schon, das wäre alles nichts für mich. Tonwürste kann ich auch daheim formen. Oder schklechte Gedichte schreiben. Ich muß immer so Nupsis auf einem Brett umstecken. Das hilft, wenn einem zum Beispiel mal Streichhölzer aus einer Packung fallen. Oder Kleingeld aus dem Portemonnaie.

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  2. montez

    Oh ja, das musste ich auch. Ist nicht so schlecht, bei Frau K. sogar eine Version mit Nachdenken. Auf jeden Fall nützlich. Gedichte schreibe ich lieber nirgendwo.

    Ich denke auch, für Sie wäre das eher nix.

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  3. montez

    Vielleicht schaffen wir das ja mal! Plau am See ist ein ganz bezauberndes Städtchen, auch wenn sich das da oben vielleicht nicht so anhört. Und im Fackelgarten kann man es sich wirklich gut gehen lassen.

    Die Kästen gehören sogar zum selben Verein …

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