Vormagen

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Vor vielen Jahren war ich mal dabei, wie die Schwester des F. in der Metzgerei in Ambra Pansen kaufte für eine Trippa fiorentina und für die Hunde. Also, sie hat es damals übersetzt als Pansen*. In echt waren es sehr sauber geputzte Kutteln.

Ich finde immer, der arme Pepone sollte öfter mal was Frisches kriegen, und so hab ich die Franziska von der Dorfmetzgerei neulich munter gefragt, ob sie auch manchmal Pansen habe. Wieviel? Na, vielleicht so zwei Kilo. Sie rufe dann an. Dann ruft sie an, der Pansen liege zur Abholung bereit. Ich also hin. Ein Sack voll. Acht Kilo grüner Pansen. Weil den Rest kann sie ja nicht mehr verkaufen. Und einfrieren darf sie ihn per Gesetz nicht. Seien Sie froh, dass es kein Geruchsinternet gibt.

Erstmal habe ich den Sack ein paar Tage im Kofferraum herumgefahren. Dann musste ich ja verreisen und hab ihn deshalb in die Garage gesperrt. Dort liess ich ihn noch eine Weile liegen. Zwischendurch hat der Besuch todesmutig ein paar Stücke für den P. abgeschnitten. Ich hab weiter so getan, als habe ich mit der Sache nichts zu tun.

Am Freitag kam die Greisin von der Inspektion zurück, die ganz ok verlaufen ist. Sie hat ein bisschen geruht und dann die acht Kilo zerteilt, als wäre sie der Axtmörder persönlich. Und eingefroren. Die Mutter bekommt den Pansenorden am Bande. Und ich komme in die vegane Hölle.

Es schneit. Meine neue Freizeitbeschäftigung: Bäume abschütteln. Bin jetzt eine Mischung aus Aschenputtel und Frau Holle.

Aber das hier ist immer noch sehr viel besser als Sandy.

* Der Pansen ist bei ausgewachsenen Kühen der größte der drei Vormägen. Er nimmt die gesamte linke Hälfte der Bauchhöhle ein, im hinteren Bereich beansprucht er teilweise sogar einen Teil der rechten Bauchhälfte. […] Seine Eingeweidefläche (Facies visceralis) grenzt vorn an Blätter- und Labmagen, weiter hinten an das Darmkonvolut. Der Pansen hat beim erwachsenen Hausrind ein Fassungsvermögen von bis zu 100 Litern. Wikipedia

17 Gedanken zu „Vormagen

  1. Zappenduster

    Ich kenne Kutteln als leckeres Rezept. Sie werden in kurze Streifen geschnitten, angebraten, dann Julienne von Möhren und Lauch dran zusammen mit Zwiebeln. Mit Grauburgunder aufgießen und 1-2 Stunde leise simmern lassen. Wer möchte mit Speckwürfeln dazu. Gereicht werden Bratkartoffeln und zum Trinken: Grauburgunder…… Jamm, jamm, jamm…

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  2. montez

    Um aus diesem Zeug Kutteln rauszukriegen, muss man vermutlich tagelang putzen.

    Und so ganz mein Allerschönstes sind die auch nicht, ich halt mich lieber an Speckwürfel, Bratkartoffeln und Grauburgunder. Aber probieren tät‘ ich schon.

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  3. kid37

    Das erinnert mich an die Kindheit, wenn meine Tante für den Schäferhund in der Waschküche stundenlang Madeleines Pansen kochte. Also schön war das nicht. Nur für den Hund.

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  4. montez

    Also Tanten, die in Waschküchen Übelriechendes für einen Schäferhund kochen, lösen in mir ganz ungute Assoziationen aus. Was war ist mit dem Onkel?

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  5. montez

    Fremdsprachen? Aber ich kann’s ja auch noch mal erklären: Dieses Bild habe ich in Ambra in der Toskana gemacht, wo ich einst sehr viel Zeit verbrachte (siehe Aufschrift T-Shirt), unter anderen damit, mit der schönen Schwester des F., die dort lebte, Einkäufe zu erledigen. In der Metzgerei zum Beispiel. Und in jener Bar (siehe Aufschrift T-Shirt) mit DSL meine Arbeit zu erledigen.

    Hab übrigens den Ziegenkäse gefunden.

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  6. Kroepel

    …semiprofessionell: Wir haben im Dorf einen pensionierten Lehrer (Physik, Chemie, Mathe, Geschi und was weiß ich nicht noch alles) – der nutzt seine überschäumende Kreativität für alle möglichen Experimente. Unter anderem hat er eine ausgediente Waschmaschine, die er mal mit gut 5 Kilo gesammlten Feuersteinen in einem Sack mehrere Tage im Spülgang laufen ließ – dass Ergebnis waren sehr schöne künstlich „gealterte“ Feuersteine ohne scharfe Kanten. Kutteln hat er aus frischem Pansen auf ähnlich Weise hergestellt: 3 Kilo Pansen in Streifen mit 2-3 Kilo Feuersteinen – ohne Sack – im Spülgang, ergaben dann nach 2 Tagen wunderbar saubere Kutteln :-).

    VG
    DerKroepel

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  7. montez

    Oha. Ich glaube, ich möchte diese Materie nicht in meiner Waschmaschine haben. Und Feuersteine müsst‘ ich ja auch erst sammeln. Aber vielleicht lässt sich die Idee auch auf andere Sauereien anwenden. Ich überlege mal.

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