My parents were awsome

Ich war mit der Greisin in einer Ausstellung. Ein bisschen ihr zuliebe, denn mit den aquarellierenden Frauen hab ich es ja zumeist nicht so. Gezeigt wurden die Arbeiten einer früheren Kollegin, der inzwischen verstorbenen Grafikerin der Firma, in der meine Mutter vierzig Jahre lang gearbeitet hat. Die Tochter der Künstlerin war anwesend. An merkwürdigen Stellen ist meine Mutter schüchtern, wir kauften ein Bild für sie (ein zartes hübsches Aquarell, Motiv Überlinger See) und ICH erzählte, die beiden Damen (die Mütter) hätten viele Jahre lang zusammen gearbeitet, woraufhin die Tochter, selbst Anfang sechzig, ein Büchlein brachte: Darin dokumentiert die eleganten bissigigen Karikaturen zur Firmengeschichte, die tollen Plakate, die das Motto der rauschenden Fasnachtsbälle ankündigten und das:

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Mein Mutter bekam mich mit 41. Ich erinnere mich, wenn sie mich vom Ballett (jawohl!) abholte, hab ich mich manchmal geniert und war neidisch auf die jungen schönen Mütter der anderen Mädchen. Ich konnte mir als Kind nicht vorstellen, dass meine Mutter auch mal eine junge schöne Person gewesen war (damals war sie in ihren 50ern). Und eine hochnäsige, wie man sieht. Sie hat sich seinerzeit amüsiert über das Bild, sagt sie, aber ein bisschen war sie auch beleidigt. Und jetzt waren wir gerührt, alle drei. Mit feuchten Augen.

Später fand ich dann, sie sei die schönste aller Mütter. Find ich immer noch.

6 Gedanken zu „My parents were awsome

  1. schneck08

    Diese Zeichnung, dieser flotte geübte Strich und der Zeitverweis, wunderbar! Auch hier im Hause liegen viele solcher Erinnerungen an Feierliches herum, die hiesige alte Dame hütet wohl und schweigt schelmisch, wenn man sie nach auch pikanten Einzelheiten befragt. Welche sie dann vielleicht schmunzelnd und sicherlich zensiert doch preisgibt, vielleicht. (Denn irgendwie müssen wir ja auch entstanden sein, denk‘ ich immer.)

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  2. montez

    Das findet sie sicher gut, dass Sie sie vornehm finden. Ist sie ja auch.
    Und ich freu mich für die Ihre.
    Dann hamse wohl nicht alles falschgemacht, die Damen.

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