Kategorie-Archiv: Futter

Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden

gras
Meine Lieblinsfabrik: So wie Ahnungslose sich eine Fabrik vorstellen. Man füllt oben was rein, es macht eine Menge Lärm, Dampf und Rauch, Trommeln drehen sich, Zylinder stampfen und am Ende kommt was Fertiges raus. Das wird dann in Säcke gefüllt. Im Winter steht alles still und es wird nur verkauft.

Einmal im Jahr, meistens im November, reise ich an, die netten Jungs mit den fehlenden Zähnen und den fünf nackten Kalendern im Büro laden mir fünf Stück à 25 Kilo in den Kofferraum (nur wer läd sie aus?), ich zahle ein lächerliches Geld und fahre davon zu meinem Lieblinsrestaurant, um dort noch geschwind ein paar Rehmedallions zu verschlingen. Mit Spätzle. Mehr le als dort gibt es nirgends.

Fischsuppe

Gestern für die Sippe gekocht. Bouillabaisse. Einen Eimer voll. Bin inzwischen ziemlich routiniert. Mit Rouille und (unpassendem aber köstlichen) Wein vom Grafen Wilderich von und zu Bodman.

Ich hab immer Freude an denen, wie die mit Vergnügen essen und trinken, weit und breit keine Intoleranzen oder Bedenken, da wird reingehauen, als sei der Krieg gerade erst zu Ende. Sieht man auch, beim Onkel den Bäcker und bei der Kusine, dass sie zwischen Nusshörnchen und Quarktaschen aufgezogen wurde. Die Tante war ein Feger, als sie jung war.*

rena

Schön war es. Besonders herzerwärmend ist auch der einzige, der mal unser aller Rente sichert. Ein vergnügter dürrer Hering. Er hat sogar die Suppe probiert. Eine wahrhaft nachkommensarme Familie. Ach.

Der Karlsruher Zweig kommt sonst auch angereist, mit einem Sack Austern (besorgt zu guten Konditionen im Elsass). Anfangs haben nur der eine Onkel und meine Mutter davon gegessen, inzwischen glibbern ausser der Kusine und der dritten Generation alle mit. Knallhart, ohne Zitrone. Meine Gier nach wirbellosem Meeresgetier wurde dennoch erst auf der Reise hierher von den überquellenden Platten in John Ogdens Fischbude endlich mal vollständig gesättigt. Da muss man mal hin, das ist grossartig! Wie übrigens auch das Wetter in Schottland. Ein Traum.

Der nordbadische Onkel war jedenfalls verhindert, so mussten wir uns mit toten Tieren begnügen. Nicht so schlimm. Und der Nebel verzieht sich! Hab schon nicht mehr dran geglaubt.

* Ich hab mal ein Fotobuch gemacht, zu ihrem 70sten, da war ich platt, ich hätte sie im Leben nicht erkannt. Inzwischen ist sie vollständig assimiliert.

Abrakadabra 2.0

Jetz müssen wir da noch noch mal ran. Wenn jemand hier schon was gelesen hat, hat er vermutlich bemerkt, dass ich auf dem Land lebe, inmitten malerisch sortierter Monokultur, soweit das Auge reicht. Und dass ich für das ordentlich Sortierte nicht sehr viel übrig habe.

Vielemehr gerate ich in Rage über die Art von Land- und Forstwirtschaft, die ringsumher betrieben wird, mit ihren totgespritzen Feldrändern, angebundenen enthornten Turbokühen, die die Sonne nur auf dem Weg zum Schlachthof kurz zu Gesicht bekommen, von zusammengepferchten Schweinen und nackten Hühnern will ich gar nicht erst sprechen. Den Mais, soweit das Auge reicht, der den Boden auslaugt und die Bienen umbringt. Von Wäldern, in denen nur Fichten wachsen, kein Blümchen und kein Kräutchen (und das hier ist noch alles Pillepalle), ok, Schluss jetzt.

Und ich weiss, das es auch anders geht: Einige unbeugsame Biobauern hören nicht auf, als unangepasste Eindringlinge Widerstand zu leisten. Ihre Kühe mitsamt den Kälbern auf Weiden zu schicken, auf denen sogar Blumen blühen. Keinerlei Pestizd zu verspritzen oder Kunstdünger zu verstreuen. Und ob sie dann noch Kuhörner, Schädel oder Gänseblümchen vergraben, ist mir ehrlich gesagt wurscht. Ebenso, ob sie Kamille oder Hornkiesel(?) in ihr Wasser rühren, das 400.000 mal schütteln, verdünnen, herumwerfen oder was auch immer. Und ja, ich bin sogar bereit, Geld dafür zu bezahlen, solange ich welches habe. Und das habe ich auch deshalb, weil ich es nicht für andere Sachen ausgebe.

So kaufe ich ihre Produkte und klage nicht darüber wie teuer sie sind. Und freue mich an freundlichen Menschen und schönen Geschäften, in denen man merkt, dass die Dinge dort mit Wertschätzung und Sorgfalt behandelt werden. Habe mein Badezimmer voller Tiegelchen, gefüllt mit Essenzen, gewonnen aus kontrollierter Wildsammlung oder ökologischem Rosenanbau in Afghanistan (und für solche Typen arbeite ich dann auch noch).

Spotte dennoch unermüdlich über zur Eurythmie gezwungene Pubertierende und sonstige irre Steinersche Ideen. Dennoch. Die neuerdings vielbeschworene Nachhaltigkeit gibt es hier schon lange. Achtung vor der Schöpfung. Der ganzen. Amen.

Futter

Was mir früher das Prada-Outlet in Montevarcchi war, (keine Reise wert, die guten Helmut Lang-Klamotten gibt es da nicht mehr und das verbliebene Glitzerglitzer ist unbezahlbar und/oder himmelschreiend, machen Sie lieber einen Ausflug ins Chianti Classico, wenn Sie in der Gegend sind, zum Beispiel nach Panzano, in Metzgerei und Restaurant von Dario Cecchini) ist mir heute das da:

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Obwohl auch ich für die Konvis (wie die Lieblingsnachbarin abfällig zu sagen pflegt) nix übrig hab, liebe ich ihr Einkaufsparadies.

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Gestern zum Beispiel, musste ich 50 Meter Litze kaufen, um die Leitfähigkeit von Frau Montez zu erhöhen. Mit der bin ich immer noch beleidigt, denn das ganze Ausmass ihrer Heimsuchung ist erst nach dem Abtauen des Scheisschnees offenbar geworden. Ich sage gemeine Sachen zu ihr, wann immer ich sie sehe. Das setzt ihr ziemlich zu. Und der Zaun rummst auch wieder.

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Diskretes Erstaunen mit meiner Tischreservierung im Paris Moskau ausgelöst. Ich wollte aber ganz sicher sein, und habe daher etwas Luft eingebaut. Die ländlichen Kusinen reisen in zwei vier Wochen in die Hauptstadt. Die eine wird Einkaufen bis zum Abwinken, die andere wird den ein oder anderen Businesslunch absolvieren (hey JJ!) und sich auch insgesamt mal bei ihrer Kundschaft (und den Lieben) blicken lassen. Und des Abends werden die verfressenenen Damen dann nochmal gemeinsam dinieren.

Themenvorsatz für 2013: Mehr Erotik, weniger über Restaurants. Vielleicht klappt es ja damit.

alle Fotos: Ifon

Vormagen

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Vor vielen Jahren war ich mal dabei, wie die Schwester des F. in der Metzgerei in Ambra Pansen kaufte für eine Trippa fiorentina und für die Hunde. Also, sie hat es damals übersetzt als Pansen*. In echt waren es sehr sauber geputzte Kutteln.

Ich finde immer, der arme Pepone sollte öfter mal was Frisches kriegen, und so hab ich die Franziska von der Dorfmetzgerei neulich munter gefragt, ob sie auch manchmal Pansen habe. Wieviel? Na, vielleicht so zwei Kilo. Sie rufe dann an. Dann ruft sie an, der Pansen liege zur Abholung bereit. Ich also hin. Ein Sack voll. Acht Kilo grüner Pansen. Weil den Rest kann sie ja nicht mehr verkaufen. Und einfrieren darf sie ihn per Gesetz nicht. Seien Sie froh, dass es kein Geruchsinternet gibt.

Erstmal habe ich den Sack ein paar Tage im Kofferraum herumgefahren. Dann musste ich ja verreisen und hab ihn deshalb in die Garage gesperrt. Dort liess ich ihn noch eine Weile liegen. Zwischendurch hat der Besuch todesmutig ein paar Stücke für den P. abgeschnitten. Ich hab weiter so getan, als habe ich mit der Sache nichts zu tun.

Am Freitag kam die Greisin von der Inspektion zurück, die ganz ok verlaufen ist. Sie hat ein bisschen geruht und dann die acht Kilo zerteilt, als wäre sie der Axtmörder persönlich. Und eingefroren. Die Mutter bekommt den Pansenorden am Bande. Und ich komme in die vegane Hölle.

Es schneit. Meine neue Freizeitbeschäftigung: Bäume abschütteln. Bin jetzt eine Mischung aus Aschenputtel und Frau Holle.

Aber das hier ist immer noch sehr viel besser als Sandy.

* Der Pansen ist bei ausgewachsenen Kühen der größte der drei Vormägen. Er nimmt die gesamte linke Hälfte der Bauchhöhle ein, im hinteren Bereich beansprucht er teilweise sogar einen Teil der rechten Bauchhälfte. […] Seine Eingeweidefläche (Facies visceralis) grenzt vorn an Blätter- und Labmagen, weiter hinten an das Darmkonvolut. Der Pansen hat beim erwachsenen Hausrind ein Fassungsvermögen von bis zu 100 Litern. Wikipedia

Nahrungskette

Seit der Demenzerkrankung meines Vaters muss sich meine Mutter regelmässig von mir durchgeführten sehr anspruchsvollen Tests unterziehen. So sollte sie gestern Abend beim Essen in der ortsansässigen Pizzeria rapportieren, was sie in ihrem Italienurlaub denn so erlebt habe.

Ich erfuhr von einem Haiangriff: Am Tag meines Neapelausflugs fraßen vor unserem Hotelstrand mehrere Haie mehrere Touristen, wurden so schwer und bewegungsunfähig, dass sie von den sehr hohen Wellen auf den Strand geworfen, von Luigi, dem Bademeister harpuniert und abends als Haifischflossensuppe serviert wurden. Für die Touristen kam leider jede Hilfe zu spät.

Ich denke, die Testreihe ist nun beendet.

Hier und dort

In Berlin essen ist seit der F. abgängg ist, eher so Bistro (was für ein Wort), was kleines Ausländisches zwischendurch. In meinem Freundeskreis gibt es nunmehr niemanden, der bereit und/oder in der Lage ist, viel Geld für Essen auszugeben. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Und da man, ich jedenfalls, nicht auf die Idee kommt, allein ein paar Gänge im Kater Holzig, im Grill Royal oder im Paris Moskau zu verzehren und auch keine Schwiegereltern mehr da sind, die im Notfall pekuniär einspringen, lebe ich nun also von der Hand in den Mund. So ungefähr. Ach (sie reibt sich die glasigen Augen).

Ausführlich essen gegangen wird am Bodensee. In Baden wird ohnehin am besten gekocht. Der Allezeitenfavorit bleibt der Seehof da stimmt alles: Essen, Ambiente (jedenfalls teilweise), Lage. Wunderbare Weine aus der Gegend und aus dem restlichen Baden.

Diese beiden Brüder hier strengen sich jedoch auch redlich an, einen die gruselige Einrichtung vergessen zu lassen, das Essen ist grossartig und die Aussicht ebenso. Der Fisch wird praktisch vor der Tür gefangen.

Will man es hübscher und uriger muss man sich wegbewegen vom See, und sollte dort speisen, will man gesehen werden, so als Teil der Hautevolee, eher dort. Das ist so für nach dem Golf.

Kommen Sie! Sehen Sie selbst!

Vielleicht sollte ich mich beim Fremdenverkehrsamt bewerben. Wenns schon sonst nicht so glatt läuft mit der Arbeit grad. Und Hunger hab ich jetz.

Spinne am Morgen

Und jetz muss ich mich noch schnell empören, erstens ist das Scheisstelefon schon wieder kaputt, zweitens, und das ist der eigentliche Aufreger waren diese gesamten Biomüllartikel bei SPON und Bild, die hier nicht verlinkt werden.

Verdammt sei dieser polemische Quatsch der in regelmässigen Abstanden durch die Gazetten poltert. BIO IST JA GA NICH GESÜNDER. ACH. Es geht doch aber nicht um uns armselige Menschlein und da hilft auch kein Blabla zum Ende hin, dass man ja BIO auch wegen der Tierhaltung und der Ressourcenschonung kaufen kann. Hauptsache gesund. Jawohl. Und die Bildzeitung legt gleich nach und enttarnt die katastrophalen Zustände auf den Biohöfen. Haben wir es doch immer gewusst. Alles Lug und Trug.

Ich habe es so satt:
Die dämliche Gucci-Blondine, die sich neulich im Bioladen aufgeregt hat, wie teuer die Sachen sind. Die von dem Preis einer ihrer Schuhe vermutlich einen halben Monat im Bioladen einkaufen kann und mich solidarisch angrient. Nein, ich finde nicht, dass es zu teuer ist. Ich habe auch schon mit 600 DM Ausbildungslohn fast nur Bio gekauft.

Meine bescheuerten Nachbarn, die ihren Mais in die Biogasanlage werfen und jammern, dass ihre Bienen sterben.

Umgeben zu sein von Wiesen auf denen keine Blumen blühen.

Von nachbarlichen Schweinställen, in die man ja noch drei reinkriegt. Kühen ohne Hörner. Maismaismais. Oder Raps.

Von reichen Discounterkäufern.

So, jetz geh ich erst mal die Schuhe vom Schuster abholen (kein Zusammenhang).

Tortelli di zucca

Gestern zum ersten Mal selbst gemacht. In Gedenken an den F. Und daran. Jetzt überlege ich angestrengt, ob ich nun auch anfangen soll, mein Essen zu fotografieren. Vorläufige Entscheidung: Nein.

Zumal sie zwar köstlich schmeckten, dennoch sicher keinen Schönheitswettbewerb hätten gewinnen können.

Aber sie waren aus eigenem Kürbis. Jetzt habe ich glücklicherweise nur noch vier.

Ich muss leider zwanghaft alles selbstangebaute Gemüse verarbeiten, da ich mich sonst schäme. Ärgere. Gerade bedrückt mich noch die Rote Beete-Schwemme. Ich denke, diese Woche wird es noch einen Tafelspitz mit Rote Beete Salat geben. Und EIGENEM Meerrettich. Der ist leider so scharf, dass während der Verarbeitung die ganze Küche kontaminiert ist. Zwiebeln sind für Whimps.

Da fällt mir schon wieder der F. ein. Und dieses Wochenende am Arlberg mit seiner schwerreichen russischen Exkommilitonin (und ihrem schönen Mann), die mich den Apfelkren gelehrt hat. Die den ganzen Abend eine One-Womanshow abgezogen hat, die selbst mir jede Lust nahm, dazwischen zu grätschen. Eigentlich wollte sie ja Pianistin werden. Es hat nicht gereicht, trotz allen Übens. Dafür verdient sie jetzt 500.000 Euro im Jahr. Usw.usf. Naja, ist ja auch was. Aber kochen konnte sie.

Bollito misto, fand er, nicht Tafelspitz, und natürlich nicht mit Rote Beete, sondern mit Salsa verde und Mostarda, so wie es seine Mutter macht. Das hat er zu seiner russischen Freundin aber nicht gesagt. Nur zu mir. Sind wir etwa noch immer WÜTEND?