Und in nächtlichen Träumen immer noch den falschen Mann zu küssen.
Ist das denn zu fassen? (Nein, das ist das Fieber).

Ich

Ich muss es jetzt endlich loswerden: Ich bin schuld. Im Herbst habe ich, ganz gegen meine Gewohnheit fünf statt vier Säcke Graspellets gekauft (das Winterergänzungsfutter, sind inzwischen verbraucht). Deswegen endete der Winter nicht planmäßig.

Dann klebten diese schottischen Gummistiefel wie Pech an mir und meinen Füßen, die ich meinte, nicht zu brauchen (drei Rücksendungsversuche fehlgeschlagen). Was täte ich nun ohne sie. Daher der Regen.

Ich besorgte (nur mal eben so) einen kleinen Konverktorheizapparat für das Atelier. Der heizt jetzt den Tomaten ein. Deshalb die Kälte.

Aber ich habe meine Strafe. Der Hund sagt, er macht kein Auge zu, wenn ich immer so wahnsinnig huste. Ich huste, dass sich die Balken biegen. Die Nase läuft, Kopp und Hals sind wund. Und nein, nicht mein Bad im Atlantik ist daran schuld. Das hat nichts damit zu tun.

Es tut mir leid. Wirklich.

Bildungsreisen

Gelernt, was Sprachwörter sind. Und Schneekettenberge. Und dass das Portugiesische vom Holländischen abstammt, das sieht man schon an den Kacheln. Aber das weiss ja jedes Kindle.

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Bevor man nach Lissabon reist, sollte man sich eine entzückende portugiesische Untermieterin zulegen, die einem Dinge auf Zettel schreibt, die nicht in Büchern stehen. Dann kommt an an Orte, die sehr besonders sind. Zum Besipiel in ein Restaurant auf der anderen Seite am Ende der Brücke, direkt unter dem Cristo-Rei. L. schreibt:[…] Walk to the right side of the boat station and along the river (it may look dark, dirty and dangerous, but it is the only way to the restaurant, and I never heard of any unsafe problems there). Ich mag das Versehrte. Bei Menschen wie bei Dingen. Davon gibt es dort wahrlich genug. Später am Abend eingetaucht in goldenes Licht. Das ein bisschen vergessen lässt, dass in den Ruinen noch ein paar Leute wohnen (müssen). Bis vor einiger Zeit waren da Off-Theater, hat Pedro erzählt. Die wurden geräumt, weil man tolle Lofts mit Flusssicht bauen will. Darf man aber nicht. So verottet nun alles malerisch vor sich hin.

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Und man residiert zauberhaft mit Familienanschluss. Bei Pedro, in einem tadellos selbst restaurierten Stadtpalais aus dem 18. Jahrhundert (ruhig die PDFs ansehen, es lohnt sich).

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Direkt am Miradouro de Santa Catarina, der gerade geräuschvoll verschönert wird, aber sicher bald fertig ist. Dann kann man im Noobai sitzen, wenn die Sonne untergeht. Untergegangen ist. Und schauen.

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Also Sonnenuntergänge abends und Galão am Morgen, Pasteis de Nata zwischendurch, oder wahlweise de Bacalhau, dann aber wie L. schreibt: These you also have to try but don’t drink a galão. Then drink a bier because they are salted. Natürlich folgten wir strikt den Anweisungen.

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Überhaupt der Stockfisch. Gibt es in allen Aggregatzuständen. Ach und überhaupt überhaupt. Wundervoll. Alles. Hier grad Hagel und Mörderhusten*.
Erst mal ausruhen.

* Placebo funktioniert übrigens auch um die Ecke, wenigstens ein bisschen. Die Krabbe glaubt an das Vitamin C, ich nehme es, und es wird besser. Vielleicht aber auch vom Aspirin. Wer weiss das schon.

Lieber Heiner,

raps

ich mochte das letzte Buch, hab ich das noch gesagt? Das Manuskript ist bestimmt noch irgendwo, ich bin sicher, ich habe es nicht weggeworfen. Nicht wie die vielen Emails, die das Universum unwiederbringlich verschlungen hat. Hätte ich veröffentlichen können. Titel: Hunderte unverstandener Briefe. Bisschen blöd, dass Du mir erst nach so langer Zeit gesagt hast, dass Du keine Ahnung hast, wovon ich rede. Konnten wir auch nicht mehr klären

Es ist Pfingsten, die Sonne scheint und sie brummen überall rum, die blöden Motorradfahrer. Und ich denke an Dich. So wie ich an Dich denke, wenn ich den Bachstelzen bei der Arbeit zusehe. Das ist nicht so selten.

2002. Wir wetten, dass ich die Kellnerin rumkriege, als sie dann an der Tischkante hängt und mir ihre Lebensgeschichte erzählt behältst du die Fassung und schiebst es auf meinen stark ausgeprägten männlichen Anteil. Sie studiert Literaturwissenschaften, aber ihre Silhouette, da sind wir uns einig, ist tadellos. Du bist nicht beleidigt. Wegen des Misstrauens, und wir beschwören die Liebe und den grossen Abend, und ich die Grenzen, das macht nichts denn es fühlt sich gut an, so ohne Strategie. Ein Vergnügen.

Ich weiss nicht, ob Du gelogen hast. Und wenn, dann war es eine wunderbare sensible elegante Lüge. Du schuldest mir noch 8 Öre für die letzten vier Tequila. Ich schulde Dir noch eine Antwort wegen Havanna. Das ist jetzt schwer, weisst Du. Und anders. Wenn ich nur wüsste, wohin ich sie schicken soll.

Dieses ganze Vermissen bringt zwar nichts, das kann man schon mal sagen, weil das Leben schreitet fort, ohne Rücksicht darauf zu nehmen.

Lange Nächte im Luxus. Heute vermute ich, Du konntest rein gar nix anfangen mit meinem Berliner Bohèmescheiss. Aber warst ja ein höflicher Mensch. Und sehr charmant, wie Du Dir mit Deinem großen weissen Stofftaschentuch den Schweiss von der Stirn getupft hast.

Elf Jahre ist das schon her. Fehlst.

Jahreszeitenübergreifend

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Nur mal angenommen, ich wäre nicht von tiefer Demut und Dankbarkeit erfüllt, dass es inzwischen nicht mehr schneit, ich könnte glatt drüber meckern, dass es kaum über 12 Grad wird und ständig regnet. Ausser Schnecken aller Formen und Farben gedeiht nix im Garten. Und das Schlaufon sieht Tropfen in Lissabon nächste Woche. Aber das lügt bestimmt.

Das Foto ist übrigens gestellt.

Tausendfach blattlos ist mein Schlafzimmerblick hier zu finden.