Post aus Berlin

Die portugiesische Freundin, die gerade in meiner Wohnung in Kreuzberg wohnt, schreibt heute morgen:

Kein Zettel im Briefkasten. Der Mann hat mir gesagt er kommt die Lüftung zu checken. Ich habe ihn gefragt warum waren wir nicht informiert. Er antwortet ‚Kein Ahnung‘. Dann sieht er, das Gerat funktioniert nicht wegen ein elektrischen (Strom) Fehler. Er regelte es. Er hat die in 20 Minuten repariert und gegangen. Er kommt nicht wieder.

Das ist doch wunderbar. Wenn alles so ginge, Mensch.

Heute Abend

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huldigen wir einer vielseitig begabten und unermüdlichen Person, die meine unqualifizierten Printussianmerkungen geduldigst über- und umgesetzt hat. Ich kann jetz grosse Bilder. Ha. Überhaupt alles.

Danke, Frau Krabke!

Futter

Was mir früher das Prada-Outlet in Montevarcchi war, (keine Reise wert, die guten Helmut Lang-Klamotten gibt es da nicht mehr und das verbliebene Glitzerglitzer ist unbezahlbar und/oder himmelschreiend, machen Sie lieber einen Ausflug ins Chianti Classico, wenn Sie in der Gegend sind, zum Beispiel nach Panzano, in Metzgerei und Restaurant von Dario Cecchini) ist mir heute das da:

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Obwohl auch ich für die Konvis (wie die Lieblingsnachbarin abfällig zu sagen pflegt) nix übrig hab, liebe ich ihr Einkaufsparadies.

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Gestern zum Beispiel, musste ich 50 Meter Litze kaufen, um die Leitfähigkeit von Frau Montez zu erhöhen. Mit der bin ich immer noch beleidigt, denn das ganze Ausmass ihrer Heimsuchung ist erst nach dem Abtauen des Scheisschnees offenbar geworden. Ich sage gemeine Sachen zu ihr, wann immer ich sie sehe. Das setzt ihr ziemlich zu. Und der Zaun rummst auch wieder.

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Diskretes Erstaunen mit meiner Tischreservierung im Paris Moskau ausgelöst. Ich wollte aber ganz sicher sein, und habe daher etwas Luft eingebaut. Die ländlichen Kusinen reisen in zwei vier Wochen in die Hauptstadt. Die eine wird Einkaufen bis zum Abwinken, die andere wird den ein oder anderen Businesslunch absolvieren (hey JJ!) und sich auch insgesamt mal bei ihrer Kundschaft (und den Lieben) blicken lassen. Und des Abends werden die verfressenenen Damen dann nochmal gemeinsam dinieren.

Themenvorsatz für 2013: Mehr Erotik, weniger über Restaurants. Vielleicht klappt es ja damit.

alle Fotos: Ifon

Vormagen

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Vor vielen Jahren war ich mal dabei, wie die Schwester des F. in der Metzgerei in Ambra Pansen kaufte für eine Trippa fiorentina und für die Hunde. Also, sie hat es damals übersetzt als Pansen*. In echt waren es sehr sauber geputzte Kutteln.

Ich finde immer, der arme Pepone sollte öfter mal was Frisches kriegen, und so hab ich die Franziska von der Dorfmetzgerei neulich munter gefragt, ob sie auch manchmal Pansen habe. Wieviel? Na, vielleicht so zwei Kilo. Sie rufe dann an. Dann ruft sie an, der Pansen liege zur Abholung bereit. Ich also hin. Ein Sack voll. Acht Kilo grüner Pansen. Weil den Rest kann sie ja nicht mehr verkaufen. Und einfrieren darf sie ihn per Gesetz nicht. Seien Sie froh, dass es kein Geruchsinternet gibt.

Erstmal habe ich den Sack ein paar Tage im Kofferraum herumgefahren. Dann musste ich ja verreisen und hab ihn deshalb in die Garage gesperrt. Dort liess ich ihn noch eine Weile liegen. Zwischendurch hat der Besuch todesmutig ein paar Stücke für den P. abgeschnitten. Ich hab weiter so getan, als habe ich mit der Sache nichts zu tun.

Am Freitag kam die Greisin von der Inspektion zurück, die ganz ok verlaufen ist. Sie hat ein bisschen geruht und dann die acht Kilo zerteilt, als wäre sie der Axtmörder persönlich. Und eingefroren. Die Mutter bekommt den Pansenorden am Bande. Und ich komme in die vegane Hölle.

Es schneit. Meine neue Freizeitbeschäftigung: Bäume abschütteln. Bin jetzt eine Mischung aus Aschenputtel und Frau Holle.

Aber das hier ist immer noch sehr viel besser als Sandy.

* Der Pansen ist bei ausgewachsenen Kühen der größte der drei Vormägen. Er nimmt die gesamte linke Hälfte der Bauchhöhle ein, im hinteren Bereich beansprucht er teilweise sogar einen Teil der rechten Bauchhälfte. […] Seine Eingeweidefläche (Facies visceralis) grenzt vorn an Blätter- und Labmagen, weiter hinten an das Darmkonvolut. Der Pansen hat beim erwachsenen Hausrind ein Fassungsvermögen von bis zu 100 Litern. Wikipedia

Landlust

Das Wetter macht mich fertig. Eine sehr grosse Buche in unserem Wald ist gestern abgebrochen weil sie mit ihren Blättern die schwere Last nicht mehr tragen konnten.

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Und eine eher kleine Birke hat es gestern nacht erwischt, die wiederum auf den den Pferdezaun fiel.

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Frau Montez ergriff die Glegenheit und hinterliess eine Spur der Verwüstung.

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Einer der letzten frostsicheren Blumenkästen

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Den Lauch hat sie endgültig platt gemacht

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den Grossteil der geretteten Äpfel

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den (frostsicheren) Endiviensalat. Das war mal mein Garten.

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Ich hab jetzt genug von Winter Wonderland.

Aus aktuellem Anlass

Statt Neues aus der Serie Wegen fehlschwingungsbedingter Aurastörung verreckende Elektrogeräte in meiner nahen Umgebung noch mal was zum Thema Geduld. In meinem vorvorletzten Leben habe ich mal eine Ausbildung als Gemälderestauratorin gemacht. Bis zur bestandenen Aufnahmeprüfung für das Studium der Restaurierung von Tafelbild und polychromer Holzskulptur. Dann konnte ich nicht mehr, hab mich zweimal zurückstellen lassen und was anderes studiert.

Manchmal musste ich mehrmals das Schloss Charlottenburg (meine letzte Wirkungsstätte) umrunden, um mich wieder ein bisschen zu beruhigen, wenn ich stundenlang am Stereomikroskop verharrt hatte, um Leinwandfäden einzeln zu verschweissen, die ein russischer Soldat schwungvoll mit einem Bajonett durchsäbelt hatte, um seinen Ärger über den Imperialismus im Allgemeinen und den General Blücher (das Bild oben rechts) im Besonderen Luft zu machen. Bekomme sofort Gänsehaut, wenn ich dran denke.

Im positiven Sinne aufregend waren dagegen die Ausflüge ins Heute und Gestern der Bildenden Kunst. Da gab es endlich mal bisschen was zu denken oder zu erwägen, beispielsweise welche Radiergummisorte am besten geeignet sei, um eine schmuddelige Gipsskulptur von George Segal zu reinigen (diese dann wochenlang abzuradieren hat mir weniger behagt). Ob das bei der Beuysschen Sauerkrautpartitur verwendete Sauerkraut erhalten werden muss, oder durch neues (und wenn ja, muss das die selbe Marke sein?) ersetzt werden kann? Hingerissen war ich überhaupt von der Eat Art: Da war alles vereint, für das ich mich begeistern kann: Kunst, Essen und Tiere. Letztere waren allerdings nicht erwünscht und mussten davon abgehalten werden, z.B. das Prager Brot von Vostell zu mampfen. Oder Rothsches Katzenfutter bei den Mundaugen

Überhaupt das Archiv Sohm: Mein Paradies. Die Erledigungen in den Museumskatakomben habe ich immer ausgedehnt, um mich dort noch ein bisschen rumzudrücken. Eine grossartige Entdeckung für einen 20-jährigen KunstLK-Grünschnabel vom Land, dass nach (oder während) Picasso noch andere Kunst stattgefunden hat. Mit Sprache. Mit Unsinn.

Für ein erfülltes Restauratorenleben hat es dennoch nicht gereicht. Bisschen Geduld habe ich gelernt. Und dann wieder verlernt.