Mein täglich ich #11

Gestern habe ich einen Sonntagsausflug gemacht.
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In Saulgau gibt’s Tittenkekse zum Kaffee. Der Ribislkuchen war voll super.

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Wir sind aber wegen der Kunst hier. Moritz Baumgartl, ein sehr berühmter Schwabe, ehemals Professor an der Stuttgarter Kunstakademie. Stühle kann ich gut leiden. Und die Radierungen mochte ich. Mhm.

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Das Kloster Sießen hat mich dann auch nicht vom Hocker gehauen, aber Barock ist eh nicht mein Thema. Dennoch war es eine lustige schöne kurzweilige Reise. Und die Zaubernuss hat auch geblüht.

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Auf dem Heinweg sind wir zur Abwechslung mal in einen Schneesturm geraten. Also fast. Hatten aber Allrad. Und Sitzheizung.

Zum Abendessen Rindsrouladen mit Wirsing und Pü.

Mein täglich ich #09 und #10

Freitag nochmal sehr viel Wind und Berlinbesuch. Wir machen keinen Waldspaziergang, denn es fallen einem ständig Äste und Schneebollen auf den Kopf. Besser am Kachelofen kuscheln. Ich habe mich durchgerungen, dem Patenkind mein Lieblingskinderbuch zu schenken, was ich zweitausend Jahre für den eigenen Nachwuchs aufgehoben hatte. Ein Buch von 1965, das es so heute keinesfalls mehr geben würde: Mein allerschönstes Europareisebuch von Richard Scary. Aus diesem Buch habe ich gelernt, dass Schotten geizig, Deutsche reinlich, Iren religiös und Amerikaner dick sind (und geschrieben habe ich auch schon mal drüber). Dass es in Dänemark Gespenster gibt, in Holland Kanäle, dass jeder Franzose jederzeit ein Baguette bei sich hat und der Dogenpalast in Venedig steht. Also ich als erwachsener Mensch das erste Mal in Rom war, habe ich darüber gestaunt, dass die Jungs von der Schweizer Garde in Wirklichkeit so bunte Klamotten anhaben. Mit drei kannte ich den Tower und den Eiffelturm, den Trevibrunnen und wusste, dass man in Venedig mit dem Schiff fährt. Ich glaube, dem kleinen Mädchen hat das auch alles gut gefallen.

Morgens habe ich noch versucht, einen Ballen Stroh aufzutreiben, weil die Dicke alles gefressen hatte und ich meinen Lieferanten nicht erreichen konnte. Nach vielem Hin und Her, Gerutschte mit Scheitern am Berg, habe ich bei der ZG einen in Plastik eingeschweißten Würfel Späne erworben. Verrückt. Als hätte ich einen riesigen Hamster. Naja, in der Not.

Abends die Nachbarin zu Schupfnudeln mit Kraut eingeladen. Versehentlich und unpassenderweise haben wir sehr viel Rotwein getrunken, daher war ich gestern etwas verlangsamt.

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Gestern bin ich dann mit dem Bubi spaziert (Herr Schneck, das ist Ölrettich, der schmeckt nicht, macht aber Stickstoff, sagt der Bubi), habe allerhand über Biogas gelernt und war dann vom Durchdentiefschneestapfen sehr entkräftet. Der T. nicht. Der hat noch sämtliche Schneewehen bezwungen.

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Zum Abendessen einen Hackfleischpaprikaschafskäseauflauf.

Mein täglich ich #07

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Morgens wie gehabt.
Einkaufen. Mit dem T. den Mooreichenweg gegangen.
Bei E. und M., köstliches syrisches Gebäck bekommen und Berichten von Flucht und Not gelauscht. Ojeh. Aber auch sehr zusammen gelacht, weil hier im Dorf ein erbitterter Konkurrenzkampf um die Flüchtlingsfürsorge entbrannt ist. Muss also nicht zur Tafel, das macht der Nachbar und ist mir recht. Ein ganzer Tag auf dem Berg ohne wegmüssen.

Abends sehr gut essen zum Anlass des Bestefreundingattingeburtstag. Heute morgen eine ätzende Migräne nach einer schlaflosen Nacht. Daher hier kurz angebunden. Draußen Sturm.

Mein täglich ich #06

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Besuch aus Berlin: Das andere Patenkind, beste Freundin mitsamt Ehefrau. Der Einzelhund stirbt fast vor Eifersucht und benimmt sich sehr ungehörig. Also saumäßig. Unflätig. Schneespaziergang, Kaffee und Kuchen.

Abends Sitzung Kulturklub. Rhabarber Rhabarber. Ich war eventuell ein bisschen sehr autoritär. Aber es ging mir auch echt aufn Sack. Es gibt schon richtig schlechte Charakter. Staun ich immer wieder.

Ansonsten alles wie immer. Mit Sonne. Ein Glück.

Mein täglich ich #05

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Morgens wie immer, alle haben Hunger. Alle satt gemacht. Zumindest versucht. Arbeit. Kongo- und Nigerbroschüren verschoben. Wieder. Bin froh, dass ich auf meinem Berg sitze, sowieso. Friedlich und still.

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Werden immer mehr. Diese gelben.

Mittags zu E.und M., wegen Tafel, Internet und Strom. Hey, das mit dem arabischen Fernsehen ist nicht einfach. Tafel schon. Dolle Sache. Donnerstag geht es los. Wenn alles so geht, wie’s soll.

Dann lange Überlandfahrt zum Neuro (Radolfzell). Hey, wir stellen um! Keine täglichen Spritzen mehr. Wegen alles oll und miese Leberwerte (ähem). Bin in einem Ausmass erleichtert, das mir zeigt wie sehr ich offenbar belastet war. Geradezu beschwingt. Unvorstellbar, dass ich das mal sechs Jahre gemacht habe.

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Auf dem Heimweg geraten wir, ich hab den T. dabei wegen Seeuferspaziergang, in einen Schneesturm. Der immer mehr tobt, je weiter wir vom See wegkommen (kein Spaziergang, grosse Enttäuschung). Mit der allergrößten Mühe, mit Warnblinker und im Schritttempo eiern wir den Berg rauf. Gerade so. Überall hängen welche fest, ich schau nicht hin, denn wer jetzt anhält, hat verloren. Passenderweise hab ich vorhin im Radio was über mangelnde Hilfsbereitschaft gehört. Wegen dieses Unfalls auf der A2, wo die Leute an den auf der Strasse liegenden Verletzten vorbei gefahren sind (jetzt aber wohl doch nicht). Jedenfalls bin ich mir grad die nächste, ich hab nicht mal ein Telefon dabei. Und verletzt sahen die ja auch nicht aus.

Ich sag den bestellten Tisch im Adler ab und finde noch einen orignal schweizer Beutel(!) Käsefondue (gekauft vor der Frankenfreigabe), die Greisin gerät ganz aus dem Häuschen, die wird bei geschmolzenem Käse immer total euphorisch, und so gibt es Fertigkäsefondue und einen echt sauren Riesling vom Krauß. Hab ich erwähnt, dass ich gerade keine Lust zum Kochen habe?

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Und wer ist die eigentlich? Eine junge Amsel?

Mein täglich ich #04

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Immer kurz mal bisschen Sonne und eh man sich dran gewöhnt hat, ist sie wieder weg. So ist übrigens der komplette Ausblick (rechts hinten der Silbersee)

Gestern war mal ein normaler Tag. So ereignislos sind die eigentlich.

Aufgestanden.
Nach der Mutter gesehen.
Kater gefüttert.
Vögel gefüttert.
Pferd gefüttert.
Stöckchen geworfen (das geht nicht gut im tiefen Schnee)
Feuer gemacht.
Gefrühstückt.
Das Internet gelesen.
Mit dem Trotzki Entenklemmer gespielt (keine Lust zu spazieren).
Holz geholt.
Kaffee getrunken. Mit Mutter.
Im Internet Haus mit Seezugang (Engel & V*lkers) gesucht. Ach ne.
Auf der Waliser Landkarte herumgereist.
Bisschen aufgeräumt.
Pferd ausgemistet und gefüttert.
Bad genommen (es ist Sonntag!).
Wenig Lust, zu kochen. Also kleine Pasta mit Zitronenthunfisch und Kapern nach Signore Batistin.

TV. Schnarch. Mitten im Barneby.

Mein täglich ich #03

Nach dem Aufwachen das deutliche Gefühl, dass ich heute Zerstreuung brauche. Gegen die trüben Gedanken. Der Bubi spaziert mit uns (T+icke), was besseres kann nicht passieren. Wir wollen den Hof anschauen, der für 2,1 Millionen zum Verkauf steht. 50 Hektar. Findet der B. gut (mir reicht mein Geraffel). Der böse Hofhund bellt uns weg. Weitläufig drumrumspaziert. Wir erfahren also gar nicht, was wir für unsere Notgroschen bekommen hätten.

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Endlich ein bisschen Sonne. Verschwindet bald wieder. Schön ist’s trotzdem.

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Ich lerne, dass man als cooler Bauer einen Fendt hat. Oder zwei. Und dass so ein Fendt über 100.000 Euro kostet. Voll der Jungskram. Nötig ist das nämlich nicht. Aber wrrrrrooummmm. Verstehste.

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Jede Menge Pinguine sind unterwegs.

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Und die da, wo sie hingehören. Ich hab ein neues Tele (Weihnachten). Nicht übel, sogar mit Bergstation (ist von ganz woanders als sonst).

Daheim Kaffee und Kuchen mit der munteren Greisin. Bisschen unbezahlte schöne Arbeit. Rechnungen. Pferd. Schnee und Scheisse schaufeln (150 Minuten körperliche Arbeit die Woche, soll man, heisst es. Hahahahahahahahahaha)

Rest vom Sauerkraut (Schneck <3!) mit Kassler. Buch. Bett. Besser.

Mein täglich ich #02

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Der frühe Morgen verläuft wie immer. Bein Frühstück sagt die Greisin, dass sie nun doch zum Arzt möchte. Das stellt ein winziges Problem dar, denn über Nacht sind 30 cm Schnee gefallen: Unmengen von Schnee. Das sieht sehr hübsch aus, aber bis zur Strasse sind es fast 100 Meter bergauf, ich fang gleich an zu schippen. Der Nachbar kommt, ich erzähl, dass wir zum Arzt müssen und mitsamt Nachbarin schippt er mit. Er mit Maschine, wir Damen ohne. Nach über einer Stunde ist es geschafft.

Der Arzt hat heute keine Sprechstunde, aber seine Frau ist selbst am Telefon. Dann rufen sie zurück und sagen, wir können trotzdem kommen. In einer Stunde. Ich pack den Totzki ein, der hat seit neustem so ein kleines Knubbelchen (Aaaaaahhhhhh, das heisst oft nix gutes) und muss sowieso geimpft werden, und gehe vorher noch schnell zum Tierarzt, bis die Greisin abfahrbereit ist.

In der Praxis macht er sofort die Tierärztin in sich verliebt und ist ansonsten ziemlich kleinlaut. Das gefällt mir gut. Das Knubbelchen ist verschwunden. Als ich daheim ankomme, steht die alte Dame schon parat. Ist den steilen eisigen Berg alleine hochgestapft. Ich schimpfe nicht.

Der Arzt ist wunderbar, wie immer, findet alles seltsam, aber nicht sehr besorniserregend, schickt uns aber dennoch sofort zum CT. Ds kommt nichts schlimmes raus, aber dennoch Sachen, die man eigentlich nicht wissen will. Die Greisin ist ein bisschen beruhigt, keine Blutung, kein Gerinnsel, kein Tumor, ich erschöpft.

Schreibtischarbeit. Langweiliger Tiefschneehundespaziergang mit Streit über Verhaltensregeln. Pferd versorgen.
Butternutofengemüse mit Hühnerbein und Kräuterquark.

Internet flackert, also nur den halben Vargas geschaut (ich hab ja keinen Fernseher) und gelesen. Jawohl, ich habe in diesem Jahr schon ein ganzes Buch gelesen und ein halbes zweites. Früh eingeschlafen. Gar nicht schlecht geschlafen.

Mein täglich Ich #01

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Eigentlich sollte es ja weniger ICH werden, aber das kommt mir gerade richtig vor. Den Tagen nachfühlen. Ein bisschen. Festhalten. Gegen das Verschwinden. Vergehen. Verblassen.

Mein Tag beginnt immer gleich, gestern allerdings früher also sonst: Ich habe einen Termin! Yay!

Dem Trotzkiquengeln nachgeben. Duschen. Mein erster Gang immer zur Greisin:
Lebst Du noch?
Ja. Brumm.
Dann ist gut. Schlaf weiter.

Es ist noch dunkel.
Der fette Kater (mindestens 3 Kilo Winterspeck) steht vorwurfsvoll vor der Tür. Brüllt. Er kann rein und raus wie er will. Aber morgens soll ich. Voralpenrind will er. Alle bekloppt.
Kater füttern.
Vögel füttern.
Runter zur weissen Trine:
Lebst Du noch?
Ja.
Dann ist gut.

Pferd füttern. Hals Klopfen. Ach. Altes Pferd.

Feuer machen. Bis hier hin ist alles wie immer.

Ich hab das Auto oben ander Strasse stehen lassen. Die hatten ja Schnee vorhergesagt. Es ist tatsächlich ziemlich eingeschneit und ich fege und kratze 15 Minuten. Fahre sehr vorsichtig den Berg runter zur Bäckerei der Kusine. Butterbrezel und Cappucino. Sie erzählt von der sinnlosen profilneurotischen Langatmigkeit der gestrigen Versammlung. Ich weiss genau wovon sie spricht.

Dann hole ich E. und M. ab, um sie zur Sprachschule zu fahren. Integrationskurs. E. ist wahnsinnig aufgeregt, erzählt mir später die Nachbarin. Und ich ein bisschen brutal. Das kannst Du alleine sage ich und drücke ihr eine Papier mit den Busfahrzeiten in die Hand. Für die Heimfahrt. Denn meine Sitzung dauert sicher länger als der Einstufungstest.

Der Helfer- und Unterstützerkreis tagt. Das ist eine sehr kuriose Ansammlung sehr netter und sehr unterschiedlicher Menschen, die sich seit achtzehn Jahren für die hier untergebrachten Flüchtlinge engagieren. Zwei Leute vom Landratsamt sind da und beantworten rechtliche Fragen. Ich kapier’ das noch immer alles nicht. Titel. Duldung. Abschiebung. Wer wann welchen Schein braucht.

Es wird im März eine neue Sammelunterkunft geben. Für 80 Personen. Die Leute in diesem Dorf sind noch nicht informiert. Der Landkreis hat ein sehr eigenartige Attitude bezüglich der Miteinbeziehung der Bevölkerung. Ja klar, um zum fragen ist gerade nicht die Zeit, der Fluss der aus Karlsruhe zugeteilten Flüchtlinge reisst nicht ab. Alle Unterkünfte sind voll. Wohnungen will keiner vermieten. Aber so?

Ich erzähle von der Neckar-Odenwald-Facebookflüchtlingshilfeseite, weil ich inzwischen schon so oft gehört habe, dass Leute helfen wollten und, wie ich, keinerlei Ansprechpartner gefunden haben. Oder was abzugeben haben. Oder was suchen. Hier, scheint mir, hören die Leute Facebook und sind sofort dagegen. Bleib uns bloss damit weg. Einer fällt mir ins Wort wegen was anderem. Ich sag nix mehr, nach zwei Stunden, es wird noch immer geredet, gehe ich.

Einkaufen. Wenn man auf einem Berg lebt, fern von sonstiger menschlicher Besiedelung, und wenn man wie ich Einkaufen hasst, legt man Vorräte an. Damit man nicht so oft einkaufen muss. Früher, die Greisin ist ja ein Kriegskind, hatten wir eine riesige stromfressende Tiefkühltruhe, in der das halbe, von den Nachbarn für uns gemästete Schwein lag. Im Drahtschrank daneben hingen Schinken und Speck. Die Truhe wurde irgendwann abgeschafft, auch sonst habe ich die Vorratshaltung eingedämmt, dennoch kaufe ich für länger. Die Bier- und Wasserkisten schaffe ich mit dem Schlitten runter. Das ist eine echte Herausforderung.

Der Greisin ist blümerant. Schon seit Tagen. Legt sich wieder hin. Ich esse ein Stück Quarkkuchern im Stehen. Und renne noch zum Schreibtisch, um die Post zu erledigen. Wenigstens zum Teil.

Um drei bin ich mit dem Patentkind zum Englischlernen verabredet. Eigentlich will ich den Trotzki mitnehmen und das Kindlein zwingen, dann noch ein bisschen mit uns zu spazieren. Der ist aber mit der Nachbarin und deren Neffen verschwunden. Wenn hier ein Kind auftaucht bin ich komplett abgemeldet. Auch gut. Nervensäge.

Macht es prima, das mit dem Englisch. Nur Das TH. Zum Abschluss kucken wir Evelyn Hamanns Zusammenfassung der Folge von Zwei Cousinen. Finden Kinder heut sowas noch lustig? Das Patentkind schaut hochkonzentriert zu, verzieht kaum eine Mine und behauptet dann, es sei sehr lustig gewesen. Und ob das echt sei. Ich erkläre, wer Loriot ist und wir schauen noch Dr. Klöber und Herrn Müller-Lüdenscheit beim baden zu. Same. Hm.

Heim. Zwei Tonnen Scheisse schaufeln. Pferd versorgen. Pferd streicheln. Ach, altes Pferd. Greisin streicheln. Trotzki streicheln. Kater streicheln. Essen für alle organisieren.

Kürbis? Ne. Ich rühre uns eine Amatriciana zusammen, das ist so ein tröstliches Essen. Und Trost ist grad gut.

Ein bisschen Arbeit noch. Ist eh grad nicht viel, das ist schön.

TV. Heia.